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Wilde Museen

Angela Jannelli: Wilde Museen. Zur Museologie des Amateurmuseums. Bielefeld Transcript Verlag 2012, 390 Seiten, brosch. 33,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1985-0

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Mit dem Museumsboom des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist eine Vielzahl meist kleinerer Museen durch private Initiativen entstanden. Einzelpersonen oder kleine Gruppen Gleichgesinnter haben dabei mit zum Teil beachtlichem Aufwand Sammlungen angelegt, Museen eingerichtet und Ausstellungen organisiert. Was aber motiviert die Leute zu solchem Tun? Was ist so attraktiv am Sammeln und Ausstellen? Die Kulturanthropologin Angela Jannelli hat in drei Amateurmuseen Feldforschung betrieben und dort das Sammeln und Ausstellen als kulturelle Praxis untersucht. Inspiriert vom Begriff des “Wilden Denkens”, mit dem der Ethnologe Claude Lévi-Strauss in den 1950er Jahren die Umrisse einer indigenen Logik abgesteckt hat, beschreibt Jannelli das eigenwillige Vorgehen der nichtkanonischen Museumsmacher. Lévi-Strauss hatte im Wilden Denken markante Unterschiede zu den wissenschaftlich geprägten Erklärungsmodellen der westlichen Welt gesehen. Dieses Denken ist kein eigenständiger abstrakter Prozess, sondern integraler Bestandteil der sinnlichen Wahrnehmung und der Einbildungskraft. Janelli erkennt bei den Amateurmuseen vergleichbare Aneignungs- und Sinnbildungsprozesse am Werk. Die so gewonnenen Einsichten werfen nicht nur ein neues Licht auf die Bedeutung von Dingen und den musealen Umgang mit ihnen, sondern auch auf das Museum als Wissensort und symbolischen Handlungsraum. Für professionelle Museumsmacher bietet die Studie darüber hinaus wertvolle Anregungen für die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen oder die Realisierung partizipativer Projekte.