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Dauerausstellungen

Bettina Habsburg-Lothringen (Hg.): Dauerausstellungen. Schlaglichter auf ein Format. Bielefeld: Transcript Verlag 2012, 396 Seiten, brosch., 41 Abb., 29,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1873-0

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Unterstützt durch ein Förderprogramm des österreichischen Wissenschaftsministeriums zur Forschung an Museen hat die Museumsakademie am Grazer Joanneum ein Projekt zu “Dilemma und Potential der ständigen Ausstellungen” durchgeführt, in dessen Verlauf gleich mehrere Tagungen organisiert worden sind. Die Resultate sind bislang in zwei im Transcript Verlag erschienene Publikationen eingeflossen. Ein dritter, von der Leiterin der Museumsakademie herausgegebener Sammelband ist jetzt unter dem Titel “Dauerausstellungen. Schlaglichter auf ein Format” erschienen. Für die überwiegende Zahl der Museen ist die ständige Ausstellung nach wie vor das wichtigste Besucherangebot, von dem nicht nur ein repräsentativer Querschnitt durch die hauseigene Sammlung erwartet wird, sondern auch ein für das jeweilige Haus charakteristischen Umgang mit den Objekten. Insofern ist die Dauerausstellung der wichtigste Indikator sowohl für die Attraktivität wie für die Leistungsfähigkeit eines Museums. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich in den Museen mit der regelmäßigen Veranstaltung von Sonderausstellung jedoch ein Konkurrenzformat entwickelt, das den ständigen Sammlungen in der Publikumsgunst zusehends den Rang abgelaufen und die Frage aufgeworfen hat, ob ursprüngliche Bedeutung und Funktion von Dauerausstellungen noch zeitgemäß ist. Was zunächst als ein Problem von Aufwand und Nutzen erschien, hat sich zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit den Absichten und Zielen einer Dauerausstellung ausgeweitet, in deren Verlauf elementare  Integrationsprinzipien, Ordnungsmuster und Kommunikationsweisen musealer Ausstellungspraxis verhandelt werden. Die Schlaglichter auf diese Diskussion, die der vorliegend Sammelband liefert, bezeugen die Komplexität der Sachverhalte, um die es dabei geht: das individuelle Profil des konkreten Museums, die Intention und Ambition der Handelnden und schließlich das Verständnis des Museums als Institution verschränken sich auf eine Weise, die es äußert schwierig macht, nach Erfolg versprechenden Rezepturen Ausschau zu halten. Insgesamt 34 Beiträge versammelt der Band, die in der gebotenen Breite unterschiedlicher Sichtweisen und Standpunkte, den Leser zur Auswahllektüre ermuntern. Dabei wird schnell deutlich, dass der Ausgangspunkt für jede konzeptionelle Überlegung ein analytischer Blick auf Substanz und Potential der vorhandenen Sammlungen sein muss. Deutlich wird aber auch, und vielleicht ist dies sogar ein Kernproblem, dass vor allem die Objektbestände kulturgeschichtlicher  Museen heute von einer doppelten Historizität geprägt sind: von der geschichtlichen Zeit ihrer Entstehung, aber auch von der Zeit, in der sie in Form einer Sammlung zusammengeführt wurden. Sie spiegeln damit ein Geschichts- und Kulturverständnis, das sich deutlich von dem unserer Zeit unterscheidet und deshalb zu reflexiven wie kreativen Aneignungsstrategien zwingen.