Zurück

Die Stadt und ihr Gedächtnis

Claudia Gemmeke / Franziska Nentwig (Hgg.): Die Stadt und ihr Gedächtnis. Zur Zukunft der Stadtmuseen. Bielefeld: Transcript Verlag 2011, 172 Seiten, kart., 48. z.T. farb. Abb., 20,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1597-5

Image

Die Stiftung Stadtmuseum Berlin wurde 1995 gegründet, um verschiedene öffentliche und bis dahin von Vereinen getragene Museen zur Stadt- und Kulturgeschichte Berlins unter einem Dach zu betreiben. Ein zentrales Projekt der Stiftung war in den Neuzigerjahren der Neubau des Jüdischen Museums, das jedoch mit der Eröffnung der Dauerausstellung 2001 in eine Bundesstiftung überführt wurde. Seither kämpft das Stadtmuseum mit disparaten Standorten und Sammlungen. Ab 2012 sollen nun das Märkische Museum und das gegenüber liegende Marinehaus zum zentralen Standort ausgebaut werden. Im Zuge dieser Neuausrichtung fand 2009 eine Tagung statt, die der vorliegende Band dokumentiert. Es braucht wenig Phantasie um sich die Schwierigkeiten vorzustellen, die mit der Positionierung eines stadtgeschichtlichen Museums in Berlin verbunden sind. Doch nicht nur dort wird um die Zukunftsfähigkeit eines Museumstyps gerungen, dem sich, je nach Zählart, immerhin rund die Hälfte aller bundesdeutschen Museen zurechnen lassen. Inwiefern diese historischen Museen das Gedächtnis der Stadt bilden können, scheint angesichts einer sich dramatisch verändernden urbanen Kultur mehr und mehr in Frage zu stehen. Ein zentrales Problem hierbei bildet offenbar die schwindende Relevanz ihrer Sammlungen, die eine Vorstellung von Stadtkultur abbilden, die weniger denn je dem aktuellen Zuschnitt urbaner Lebenswelten entspricht. Ein Königsweg aus diesem Dilemma wird sich nicht finden lassen, das hat die Berliner Tagung (erneut) zeigen können. Schon die Frage, welche Funktion Stadtmuseen heute in unserer Gesellschaft wahrnehmen können, lässt sich a priori nicht beantworten. In jedem Fall wird Kreativität von den Museumsleuten verlangt. Der Aufsatzband der Berliner Tagung liefert hierzu auf gut 150 Seiten viel anregende Lektüre, viel mehr jedenfalls als man bei dieser flüchtigen Publikationsform inzwischen gewohnt ist zu erwarten. Das Stadtmuseum wird sich wohl oder neu erfinden müssen. Auf welche Art und Weise dies Erfolg versprechend möglich ist, kann am Ende nur im praktischen Versuch erprobt werden. Patentrezepte sind nicht in Sicht.