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Die Sprache der Dinge

Elisabeth Tietmeyer / Claudia Hirschberger / Karoline Noack / Jane Redlin (Hgg.): Die Sprache der Dinge. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die materielle Kultur. Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2010, Schriftenreihe Museum Europäischer Kulturen, Band 9, 218 Seiten, brosch., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2333-6

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Für die erfolgsorientierte Konsumelite unserer Tage ist die Sprache der Dinge ein Lebensmittel. Niemand kauft ein iPhone, nur um telefonieren zu können. In der kommerziellen Warenwelt hat sich der symbolische Mehrwert der Dinge als  zentrales Verkaufsargument etabliert. Doch nicht die konsumistische Massenkultur im Zeitalter der Globalisierung prägt die kulturwissenschaftlichen Perspektiven, unter denen der vorliegende Tagungsband die materielle Kultur in den Blick nimmt, sondern es geht um die grundsätzliche Frage wie sich Nutzen und Bedeutung in den Gegenständen verschränken, mit denen sich der Mensch umgibt und mit denen er umgeht. Die Dinge als Handlungsträger und Akteure zu betrachten, ist nicht neu, schon gar nicht in der Sphäre der Museen. Doch der Fokus auf Zeugnisse der materiellen Kultur ist in den letzten Jahren auch von museumsfernen Disziplinen neu justiert worden. Die Tagung der Berliner Gesellschaft für Ethnografie hat 2008 versucht, die Bedeutungsvielfalt abzuschreiten, die der wissenschaftliche Umgang mit Zeugnissen der materiellen Kultur aufweist und den Umgang mit Objekten im Museum bewusst oder unbewusst lenkt und prägt. Die in vier Sektionen gegliederten Beiträge sind thematisch sehr breit gefächert, so dass dem Leser der Einstieg in die Thematik nicht leicht gemacht wird. Die Einleitungstexte zu den Einzelsektionen haben zum Teil selbst zu kämpfen, das je Verbindende auf den Begriff zu bringen. Einzelne Beiträge rudern zudem mit schwerer Beifracht aus Sekundärliteratur. So ist man als Leser den Herausgebern dankbar, dass der Band von zwei Aufsätzen eingeleitet wird, die die Relevanz des Themas für die Museumsarbeit überzeugend begründen: einmal der Beitrag von Hans Ottomeyer, der die Traditionsstränge der europäischen Erinnerungskultur skizziert, die Art und Auswahl der Geschichtszeugnisse in den Museen geprägt hat, und zum andern der Aufsatz von Hans Peter Hahn zur Topografie des Zufalls, der sich am Beispiel des “Sachensembles Wohnzimmer” mit Fragen der ethnografischen Methodik befasst und dabei die Evidenzkriterien für Nähe und Distanz von Alltagsgegenständen reflektiert. Selbstverständlich sind weder die Auswahl des befragten Materials noch das tertium comparationis des analytischen Vergleichs, aber ein Blick auf die Ordnung des Wissens ist der erste Schritt zur neuen Erkenntnis.