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Privat gesammelt – öffentlich präsentiert

Gerda Ridler: Privat gesammelt – öffentlich präsentiert. Über den Erfolg eines neuen musealen Trends bei Kunstsammlungen. Bielefeld: Transcript Verlag 2012, 468 S., brosch., 30 Abb., 39,80 Euro, ISBN 978-3-8376-2227-0

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In der deutschsprachigen Museumslandschaft hat sich in den letzten zwanzig Jahren ein neuer Typus etabliert: das Sammlermuseum. Seit langem schon dominieren die Vermögen privater Kunstsammler den Kunstmarkt, die Museen buhlen um die Überlassung von Leihgaben, die öffent – liche Hand unternimmt bemerkenswerte Anstrengungen, wenn es darum geht, privaten Sammlern zur musealen Präsentation ihrer Schätze zu verhelfen. In Baden- Württemberg wurden früh Pläne zu einem Sammlermuseum verfolgt, zunächst in Stuttgart als Ergänzung zur Staatsgalerie, später in Karlsruhe unter dem Dach des ZKM. Es war dann aber vor allem das ambitionierte Museumsprojekt von Frieder Burda in Baden-Baden, das den Kunstsammlern in Deutschland einen anderen Weg gewiesen hat. Mit der Gründung eigener Museen haben private Sammler in den letzten Jahren beachtliche Erfolge erzielt, und es besteht kein Zweifel daran, dass sich die öffentlichen Sammlungen zeitgenössischer Kunst mit der neuen Konkurrenz schwer tun. Einen Überblick über das Phänomen gibt der aus einer Ludwigsburger Dissertation hervorgegangene Band von Gerda Ridler. Sie ist als Gründungsdirektorin des Museums Ritter in Waldenbuch mit der Szene vertraut. Neben einer historischen Rückschau auf privates Kunstsammeln bietet die Studie einen Überblick über die jüngeren privaten Kunsteinrichtungen und stellt beispielhaft zehn international renommierte Privatsammlungen im Detail vor: Museum Biedermann (Donaueschingen), Sammlung Boros (Berlin), Museum Frieder Burda (Baden-Baden), me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht (Berlin), Daros Latinamerica Collection (Zürich), Essl Museum (Klosterneuburg bei Wien), Sammlung FER Collection (Ulm), Sammlung Hoffmann (Berlin), Julia Stoschek Collection (Düsseldorf), Langen Foundation (Neuss). Eine wesentliche Bedingung für den Erfolg privater Kunstmuseen ist der aus finanziellen Gründen stark eingeschränkte Aktionsradius der öffentlichen Museen, vor allem im Hinblick auf die Erwerbsmittel. Gleichwohl ist nicht entschieden, in welche Richtung sich die Beziehung zwischen Privatmuseen und öffentlichen Einrichtungen entwickeln wird. Ein struktureller Vorteil öffentlicher Einrichtungen ist wohl die Nachhaltigkeit, ihre auf Dauer angelegte Museumsarbeit, die auf Dauer auch für Privatsammler wieder an Attraktivität zunehmen könnte, denn ein latentes Problem der Sammlermuseen ist ihre Abhängigkeit von den selbstbewussten Initiatoren.