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Württemberg in den 30er-Jahren

Gerhard Stilz: Württemberg in den 30er-Jahren. Eine fotografische Rundreise mit historischen Aufnahmen von Ernst Schiller. Tübingen, Silberburg Verlag 2010, geb., 100 Seiten mit 97 historischen Fotografien, 19,90 Euro, ISBN 978-3-87407-889-4

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In den 1930er Jahren sorgte Ernst Schiller (1900-1969) im Auftrag einer Stuttgarter Firma für den genauen Gang der württembergischen Bahnhofsuhren. Diese Aufgabe führte den Uhrmachermeister aus dem Remstal auf viele Reisen kreuz und quer durch Württemberg. Der begeisterte Amateurfotograf nutzte die Gelegenheit, um die Städte und Dörfer, die er auf seinen Inspektionsreisen berührte, mit der Kamera festzuhalten. Seine Aufnahmen sind im Familienbesitz erhalten geblieben, bis ein Neffe Schillers den Bilderschatz gehoben und nun im Silberburg Verlag publiziert hat. Fotografische Stadtansichten aus der Zwischenkriegszeit sind für sich genommen keine Rarität, aber nur selten dürfte ein solches Kompendium aus der Hand eines Fotografen greifbar sein. Und weil Ernst Schiller ein guter Fotograf war, liefert der Bildband mit fast hundert Aufnahmen im Format 6×6 ein Zeitpanorama von erstaunlicher Dichte. Es sind Bilder einer Zeit, die sehr viel ferner gerückt scheint als nur ein Menschenleben. Selten sind auf den Ortsansichten mehr als eine Handvoll Leute zu sehen, oft Kinder, die der Fotograf beim Hantieren mit seinem Stativ wohl angelockt hat. Eine fast schon seltsam wirkende Stille herrscht in den Gassen und auf den Plätzen, die Schiller in den Blick nimmt. Ohne Straßenverkehr und den optischen Lärm der Werbeindustrie erscheinen gerade jene Orte fremd, deren Erscheinungsbild sich über die Jahre kaum geändert hat, weil sie von Kriegszerstörungen und der Abrisswut der Nachkriegsjahre verschont geblieben sind. Der Herausgeber hat die Ansichten alphabetisch geordnet und die Bilder mit kommentierenden Erläuterungen versehen, die viel dazu beitragen, dass man sich mit Gewinn und Vergnügen in das Schillersche Album von Württemberg vertieft.