Zurück

Firmenmuseen in Baden-Württemberg

Gert Kollmer-von Oheimb-Loup / Götz Adriani (Hgg.): Firmenmuseen in Baden-Württemberg. Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2010, 192 Seiten mit zahlr. Abb., geb., 29,90 Euro, ISBN 978-3-17-021585-6

Image

Die Automobilindustrie stellt mit dem Mercedes-Benz Museum in Untertürkheim und dem Porsche Museum in Zuffenhausen die prominentesten Firmenmuseen in Baden-Württemberg. Mit spektakulären Neubauten haben die Stuttgarter Autobauer ihre Museen zu einem zentralen Instrument des History Marketing machen können. In einer stark auf das Produktimage fixierten Branche ist so die Firmentradition zu einem veritablen Verkaufsargument geformt worden. Die vorliegende Publikation versammelt Porträts von insgesamt 28 Firmenmuseen in einem kleinen Coffee Table Book. Die meisten dieser Museen sind in den letzten Jahren neu gegründet oder zumindest neu eingerichtet worden. Der Band konzentriert sich genau genommen auf Werksmuseen, also auf Einrichtungen, die einem bestehenden Betrieb angegliedert sind. Die Auswahl geht vermutlich auf den Verlag zurück und ist im Großen und Ganzen schlüssig, auch wenn man sich fragt wie zum Beispiel das Kundenzentrum eines Nudelherstellers in diese Reihe gelangt ist, während das bemerkenswerte Chirurgie Museum Asklepios in Tuttlingen fehlt. Die Herausgeber, Gert Kollmer-von Oheimb-Loup, Direktor des Wirtschaftsarchivs Baden-Württemberg und Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Hohenheim und Götz Adriani, langjähriger Direktor der Kunsthalle Tübingen, umreißen in ihren einleitenden Essays das Thema aus ökonomischer und kulturpolitischer Sicht. Mit der Konzentration auf klassische Werksmuseen bleibt indessen ein interessantes Phänomen ausgeblendet, das speziell in Baden-Württemberg in jüngster Zeit zu beobachten ist: die Gründung privater Kunstmuseen mit Firmenhintergrund, etwa das Museum Biedermann in Donaueschingen, um nur ein Beispiel zu nennen. Und ausgeblendet bleiben auch diejenigen Museen, die nicht mehr unmittelbar einem produzierenden Betrieb zugeordnet werden können, wie das Deutsche Harmonika Museum in Trossingen, dessen Kernbestand die Hohner Werkssammlung bildet, sowie die zahlreichen Museen, die sich mit der Geschichte von untergegangenen Firmen in Baden-Württemberg befassen und in einigen Fällen aus aufgelösten Werksmuseen entstanden sind.