Handprothese des Götz von Berlichingennach 1504
Eisen, Lederbänder
L 36,5 cm, B 8,5 – 9,6 cm
Jagsthausen, Schlossmuseum Götzenburg
"Für teutschen Bürgersinn und Heldenmuth Sey Götzens Hand stets ein Palladion!" Die eiserne Hand des Ritters Götz von Berlichingen ist seit dem ausgehenden 18. Jahrhunderts die prominenteste Prothese der deutschen Geschichte. Durch den Erfolg von Goethes Drama Götz von Berlichingen, 1772 in Straßburg verfasst, wurde der knorrige Landjunker von der Jagst zu einer Symbolfigur der reichspatriotischen Stimmung, die sich literarisch mit der sog. Sturm und Drang Dichtung verbindet.
Das Fundament für seinen Nachruhm hatte Götz von Berlichingen (um 1480-1562) selbst gelegt durch die von ihm im hohen Alter diktierten Lebenserinnerungen, die allerdings lange nur in Adelskreisen kursierten. 1731 war die Autobiographie publiziert worden war ohne auf größere Resonanz zu stoßen. Erst durch Goethes dramatische Bearbeitung wurde der Reichsritter aus der Zeit der Bauernkriege zum Helden vaterländischer Geschichtsprojektionen.
1504 hatte Götz in einem Kriegsgefecht seine rechte Hand verloren; die berühmte Prothese, ein feinmechanisches Meisterwerk, hat sich der Ritter möglicherweise von einem Nürnberger Harnischschmied hat anfertigen lassen. Ihre Funktionalität hat noch den Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (1875–1951) nachhaltig beeindruckt, als der sich nach dem Ersten Weltkrieg intensiv mit der Prothetik von Gliedmaßen beschäftigte.
Die Eisenhand ist heute im Schlossmuseum von Jagsthausen ausgestellt, wobei ihre Herkunft nicht eindeutig geklärt ist, denn sie befindet sich erst seit 1788 im Besitz der Familie der Grafen von Berlichingen. Es handelt sich bei dem eindruckvollen Stück also in jedem Fall um eine legendäre Sache.
Literatur Christian von Mechel: Die eiserne Hand des tapfern deutschen Ritters Götz von Berlichingen, wie selbige noch bey seiner Familie in Franken aufbewahrt wird, sowohl von aussen als von innen dargestellt, nebst der Erklärung ihres, für jene Zeiten vor fast 300 Jahren sehr merkwürdigen Mechanismuns; ferner eine kurze Lebensgeschichte des Ritters, besonders in Bezug auf die Hand, und endlich die Denkschrift die bey der Hand aufbewahrt wird, theils in Versen, theils in Prosa zu Ehren der Hand von den besten Dichtern gedichtet; den in den Jahren 1814 und 1815 zum Friedens-Congress in Wien versammelten gekrönten Befreyern Europen’s ehrerbietigst zugeeignet von Christian von Mechel, Kön. Hofrath und Mitglied der Königl. und anderer Akademien. Berlin: Decker, 1815
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