Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Steuerrecht in NPOs Ursula Augsten Steuerrecht in Nonprofit-Organisationen Wiesbaden: Gabler Verlag 2008, 237 Seiten, brosch., 49,90 Euro, ISBN 978-3-8349-0193-4

Gemeinnützige Einrichtungen können von zahlreichen Steuerbegünstigungen profitieren und sind damit in der Lage, ihre Steuerlast gewissen Grenzen zu gestalten, d. h. zu mindern. Allerdings wird es immer schwieriger, die einschlägigen Gesetze und Bestimmungen zu überblicken. Das vorliegende Handbuch informiert über die gemeinnützigkeitsrechtlichen Rahmenbedingungen, über die steuerlich Definition gemeinnütziger bzw. mildtätiger Zwecke, über die Abzugsfähigkeit von Spenden, die sog. Sphärentheorie zur steuerlichen Differenzierung der Aktivitäten einer steuerbegünstigten Körperschaft und das Besteuerungsverfahren (Kapitalertragsteuer, Umsatzsteuer, Lohnsteuer). Schließlich werden die gängigen Rechtsformen (Stiftung, gemeinnützige GmbH, Verein) verglichen und die rechtliche Ausgliederung von Teilbereichen, zum Beispiel steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben, behandelt. Das Handbuch ist sowohl für Steuerberater als auch für NPO-Organisationen selbst als Leitfaden bei der täglichen Arbeit nützlich. Es ist als Nachschlagewerk konzipiert, das über ein differenziertes Inhaltsverzeichnis systematischen Zugang erlaubt, aber auch durch ein Register alphabetisch erschlossen werden kann und dadurch dem Nutzer eine schnelle Orientierung ermöglicht. Die Autorin ist Partnerin und Leiterin Public Services in der Steuerabteilung von Ernst & Young in Stuttgart.

Museen und Tourismus Hartmut John, Hans-Helmut Schild, Katrin Hieke (Hrsg.) Museen und Tourismus. Wie man Tourismusmarketing wirkungsvoll in die Museumsarbeit integriert. Ein Handbuch Bielefeld: Transcript Verlag, 2010, 238 Seiten, brosch., 16 Farbabb., 24,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1126-7

"Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen." Was im klassischen Bildungsroman als ausgemacht galt, sucht sich der moderne Kulturtourismus zumindest als Image zu erhalten: Der Gewinn an Bildung ist Zubrot des Reisevergnügens. Doch im Zeitalter des Massentourismus ist der Markt für Kulturreisen so begrenzt wie umkämpft. Vor allem der Städtetourismus wirbt mit entsprechenden Angeboten gegen eine wachsende Konkurrenz. Museen zählen zwar seit langem zum festen Repertoire von Kulturreisen, aber eben nur bestimmte Museen und nur ein Teil ihres Spektrums. Versuche, den Markt aus eigener Kraft aufzurollen, können als gescheitert angesehen werden, das Modell Guggenheim ist längst versenkt. Es ist die Stunde der Techniker: Wie man Tourismusmarketing wirkungsvoll in die Museumsarbeit integriert, verspricht ein neuer Band aus dem Transcript Verlag. Und auf dem Umschlag heißt es gar, das Buch – "aus der Praxis für die Praxis" (klar doch, was sonst!) – gebe "Entscheidern und Verantwortlichen...die erforderlichen Managementinstrumente an die Hand, um auf diesem anspruchsvollen Markt erfolgreich Fuß zu fassen und sich zu behaupten." Ja, wenn das so einfach wäre, könnte man gleich morgen loslegen mit dem Erfolg. Tatsächlich bietet der Sammelband die aus vergleichbaren Publikationen bekannte Mischung von Aufsätzen mit systematischem Ansatz und Projektberichten unterschiedlicher Relevanz und Reichweite. Die Einführung unterstellt den Museen ein eher gestörtes Verhältnis zur Touristik. Allerdings wird dabei ignoriert, dass die großen Häuser seit langem professionelles Marketing betreiben, auch auf dem kulturtouristischen Sektor. Dem entsprechend bieten die dem Band vertretenen Best-Practice-Beispiele keine wirklich neuen Vorgehensweisen und Erfahrungen. Ein Grundproblem professioneller Marketingstrategien im Museum bleibt indessen ausgeblendet, nämlich die zum Teil immensen Kosten, die ein zunehmend härter werdender Verdrängungswettbewerb in immer neue Höhen treibt. Im klassischen Verdrängungswettbewerb scheiden die erfolglosen Teilnehmer aus dem Marktgeschehen aus. Aber genau dies eben ist bei kulturellen Einrichtungen nicht der Fall, so dass Erfolge oft teuer erkauft aber selten von Dauer sind. Andererseits fehlt der Mehrzahl der Museen ohnehin der finanzielle Spielraum, um sich auf regelrechte Marketingkampagnen einzulassen. Verbundlösungen nach dem Motto "gemeinsam stark" liefern jedenfalls kein Patentrezept für kleinere und mittlere Einrichtungen. Ähnliches gilt für Kooperationen mit Touristikverbänden. Sicher ist nur eines: um relevante Marktanteile für "zahllose Museumseinrichtungen mit ungeahnten, bislang nicht in Wert gesetzten touristischen Potentialen" zu erobern, sind die branchenüblichen Marketinginstrumente nur bedingt geeignet, denn schließlich nutzt die Konkurrenz im Zweifelsfall das gleiche Besteck.

Verwandlungen des Stauferreichs Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter/Alfried Wieczorek (Hrsg.) Verwandlungen des Stauferreichs. Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa Stuttgart: Theiss Verlag, 2010, 496 Seiten mit ca. 200 Abbildungen, geb., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8062-2365-1

Der Sammelband veröffentlicht die Beiträge von rund 30 Wissenschaftlern, die sich Ende 2008 im Rahmen eines Kolloquiums Gedanken zur Vorbereitung der im Sommer 2010 in Mannheim stattfindenden Ausstellung "Die Staufer und Italien" gemacht hatten. Konkret vorgegebenes Thema bildeten drei "Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa": die Rhein-Main-Neckar-Region (d.h. der Ober- und Mittelrhein um Mainz, Worms und Speyer), Oberitalien und Sizilien. Die Verbindung dieser Regionen mit einer der bekanntesten Herrscherdynastien des Mittelalters, den Staufern, steht freilich unter Vorbehalt: Wenn die Stauferzeit als eine der innovativsten Epochen der europäischen Geschichte gesehen wird, bleibt zunächst offen, welchen Anteil das namensgebende Herrschergeschlecht tatsächlich an den prägenden gesellschaftlichen und strukturellen Entwicklungen im einzelnen hatte. Die in dem Band abgehandelten Themenbereiche umfassen neben dem Blick auf die Dynastie selbst, die Formen der Herrschaftsorganisation, die Grundlinien der Konfliktführung und ihre Lösungsstrategien, Netzwerke im Waren-, Wissens- und Kulturtransfer und anderes mehr. Die Veränderungen selbst sind in vielen Bereichen wie Architektur, Technik, Frömmigkeitsformen, oder Ökonomie und Verkehr auszumachen. Die konkreten Prozesse und Triebkräfte die zu den jeweils spezifischen regionalen Ausformungen und zu nachhaltigen Strukturveränderungen geführt hatten, sind indessen mitten in der wissenschaftlichen Diskussion, ebenso die nachweisbaren gegenseitigen Beeinflussungen der verhandelten "Innovationsregionen". Eines zeichnet sich jedoch deutlich ab: die im 19. Jahrhundert fixierten linearen Geschichtsbilder, die von der Gestaltungskraft einzelner Herrscher geprägt waren, werfen lange Schatten und wirken literarisch bis heute kräftig nach. Die Herausgeber des Tagungsbandes sehen in "Verwandlungen des Stauferreichs" bereits ein Standardwerk der stauferzeitlichen Geschichte, das dem Ausstellungsbesucher eine wissenschaftliche Vertiefung des in der Ausstellung Präsentierten, der Fachwelt eine Grundlage zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bietet.

Museumsanalyse Joachim Baur (Hrsg.) Museumsanalyse. Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes Bielefeld: Transcript Verlag 2010, 292 Seiten, brosch., 26,80 Euro, ISBN 978-3-89942-814-8

Die Gründungswelle neuer Institutionen in den 1980er Jahren hat über die Jahre zahllose Studien über die Eigenart des Museums hervorgebracht. Ein breiter Fächer von Disziplinen hat dabei unter unterschiedlichsten Blickwinkeln vor allem die Vielgestaltigkeit des gemeinsamen Untersuchungsgegenstandes festgestellt. Der Facettenreichtum der Institution Museum ist jedoch zugleich dafür verantwortlich, dass es schwer fällt, die Erträge dieser geballten Forschungsanstrengung zu bilanzieren. Der vorliegende Band nun stellt in Aussicht, dieses unübersichtliche Terrain zu sondieren und einen analytischen "Werkzeugkasten" zu entwickeln, der zur Markierung auch verschlungener Erkenntniswege taugt. Beim Blick in das Inhaltsverzeichnis stellt sich indessen zunächst die Frage, ob ein Sammelreader das geeignete Format sein kann, um ein solches Vorhaben anzugehen. Schließlich ist diese in den Sphären des Interdisziplinären beliebte Publikationsform selbst für notorische Gegenstandsunschärfe berüchtigt. Um Methoden und Konturen eines neuen Forschungsfeldes zu umreißen, würde man sich eher eine klassische Monografie wünschen. Tatsächlich bestätigt die Lektüre dieses Vorurteil über weite Strecken. Zumindest die in der Einführung angekündigte Orientierung an konkreten Fallanalysen sucht man in den Einzelbeiträgen vergeblich. Dort werden ganz überwiegend disziplinäre Perspektiven auf das Museum vorgestellt. Entschädigt wird der Leser allerdings durch überwiegend gut lesbare Aufsätze, die den jeweiligen Forschungsstand referieren. Ein Situationsbericht also, der, für sich genommen, durchaus empfehlenswert erscheint, sofern man sich nicht davon stören lässt, dass er die selbst gestellten Ansprüche nicht immer einlösen kann.

Seniorengerechtes Museum Julia Kubicek Wie seniorengerecht sind Museen? Anforderungen im Praxistest Berlin: BibSpider 2009 (Leipziger Impulse für die Museumspraxis, Band 1) 112 Seiten, brosch., 23,00 Euro, ISBN 978-3-93690-34-1
 
Der demografische Wandel rückt Bedürfnisse und Wünsche älterer Menschen verstärkt ins Blickfeld von Kultureinrichtungen: Künftig wird der Anteil älterer Besucher auch in den Museen steigen. Doch ein seniorengerechtes Angebot stellt Anforderungen an die Häuser - von der barrierefreien Zugänglichkeit bis hin zu spezifischen Kommunikations- und Vermittlungsformen. Die vorliegende Untersuchung zum seniorengerechten Museum stützt sich auf eine Auswahl von zwölf Museen in Sachsen, an denen Anspruch und Wirklichkeit gemessen werden. Anspruch meint in diesem Fall nicht die selbst gewählten Ziele der Einrichtungen, sondern die Messlatte ist ein Kriterienkatalog, den die Autorin durch die Auswertung von Positionspapieren und Ratgebern einschlägiger Verbände und Behörden gewinnt. Was ein seniorengerechtes Angebot zu leisten hat bestimmt gewissermaßen der gesellschaftliche Konsens. Dass sich in der Praxis eine Konzentration auf die bauliche Barrierefreiheit zeigt, liegt nicht zuletzt an der Rechtsverbindlichkeit entsprechender Vorschriften im Bereich öffentlicher Bauten und Bausanierungen. Doch dies allein genügt nicht, um den Bedürfnissen älterer Menschen zu genügen oder auch nur entgegenzukommen. Die Publikation will zunächst die Verantwortlichen in den Museen anregen, über mehr Seniorengerechtheit nachzudenken; zugleich erhält der Leser konkrete Anhaltspunkte für die Vielschichtigkeit des Themas. Eine ausführliche Prüfliste hilft, das eigene Museum einem Selbsttest zu unterziehen und so Defizite überhaupt erst zu erkennen. Wer das Thema ernst nimmt, wird schnell merken, dass es oft nur um (scheinbare) Kleinigkeiten geht, die in der Summe allerdings die Aufenthaltsqualität für Senioren nachhaltig beeinträchtigen. Praxisnähe wird man also dem Band bescheinigen dürfen. Nähe zur Praxis ist auch die Leitlinie der neuen Schriftenreihe, die er Band eröffnet. Mit ihr sucht der Studiengang Museologie an der HTWK Leipzig durch die Publikation ausgewählter Abschlussarbeiten eine alte, aber noch stets bewährte Tugend der Fachhochschulausbildung zu pflegen. Und ganz egoistisch gesehen: Man muss dem Herausgeber Markus Walz eine glückliche Hand bei der Auswahl wünschen.
Bildbestimmung Timm Starl Bildbestimmung. Identifizierung und Datierung von Fotografien 1839 bis 1945 Marburg: Jonas Verlag 2009, 183 Seiten, 312 Abb., geb. 30,- Euro, ISBN 978-3-89445-423-4

Fast jedes Museum verfügt über ältere Fotobestände in der Sammlung: von der originalen Fotografie bis zur gedruckten Ansichtskarte, sowohl professionelles Material wie Amateuraufnahmen umfassend. Selten jedoch liegen konkrete Angaben zum Zeitpunkt und zu den Umständen der Entstehung dieser Bilder vor. Allerdings enthalten die Bildmotive und die Aufmachung der Abzüge häufig Hinweise, die eine nachträgliche Identifizierung und Datierung möglich machen. Dazu zählen unter anderem gestalterische Eigenheiten zu bestimmten Zeiten, die Vorliebe für bestimmte Motive, das Herstellungsverfahren sowie die Ausstattung und das Format des Bildträgers. Von typischen Bildbeispielen illustriert, handelt das Bestimmungsbuch des bekannten österreichischen Fotohistorikers Timm Starl die wichtigsten Kriterien für eine (schrittweise) Identifizierung ab und gibt damit  Museumskuratoren, Archivaren, Fachpublizisten oder Sammlern ein Instrumentarium an die Hand, um fotografische Bildträger historisch einordnen und entsprechend in Ausstellungen und Veröffentlichungen verwenden zu können. Die Publikation beruht auf einer Übersicht, die Starl bereits 2006 als Sonderheft der Zeitschrift Fotogeschichte veröffentlicht hat. Die überarbeitete Fassung widmet sich nun auch den charakteristischen Bildmotiven des abgedeckten zeitlichen Rahmens, wobei sich die Beispiele auf den deutschen Sprachraum konzentrieren. Eine Auswahlbibliographie und ein Sachindex ergänzen das nützliche Nachschlagewerk, das mit seiner sorgfältigen Aufmachung auch zum Blättern ohne zielkonkrete Suche einlädt.
Digitale Fotografie Irene Ziehe/Ulrich Nägele (Hrsg.) Digitale Fotografie. Kulturelle Praxen eines neuen Mediums Beiträge der 4. Tagung der Arbeitsgruppe Fotografie in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde vom 19. bis 21. September 2008 in Marburg, Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2009 (Visuelle Kultur. Studien und Materialien, Bd. 4) 169 Seiten mit 31 s/w-Abb., brosch., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2187-5

Innerhalb weniger Jahre hat die digitale Fotografie die herkömmlichen Analogverfahren zur Bildgewinnung abgelöst. Doch nicht nur dies; völlig neue Umgangsformen mit Fotografie haben sich entwickelt, die kaum mehr zu übersehen oder einzugrenzen sind; man denke etwa an die Verbreitung des Mobiltelefons, das jederzeit als Kamera benutzt werden kann. Allein die Zahl der Produzenten und Konsumenten von fotografischen Bildern bringt das kulturwissenschaftliche Forschungsfeld "Fotografie" in Nöte; die schiere Größe und die Umsatzgeschwindigkeit des neuen Leitmediums Internet tut ein Übriges, um jeden Versuch, Übersicht zu schaffen, schon im Ansatz zum Scheitern zu bringen. Es ist dieser Befund, der auf die Beiträge der 4. Tagung der Kommission Fotografie der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv) fast schon lähmend wirkt. Die Trauerarbeit über den Verlust der Fotografie im handgreiflichen Sinn als historisches Original und primäre Quelle scheint in manchem Fall (noch) eine perspektivische Neuorientierung zu überlagern. Doch es hilft alles nichts, mit dem Archivkarton wird man der digitalen Fotografie nicht mehr beikommen können, auch wenn das Trägermedium Papier nach wie vor in Gebrauch bleibt. Es sieht so aus, als hätten sich nach dem Telefon nun auch optische Kommunikationsformate etabliert, die dem Netz etablierter Überlieferungsverfahren durch die Maschen gehen. Welche Konsequenzen dies für die historische Forschung hat, scheint im Moment jedenfalls nicht absehbar.

In die Jahre gekommen? Monika Kania-Schütz (Hrsg.) In die Jahre gekommen? Chancen und Potentiale kulturhistorischer Museen Beiträge der 18. Tagung der Arbeitsgruppe Sachkulturforschung im Museum in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde vom 28. bis 30. Mai 2008 im Freilichtmuseum Glentleiten, Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2009, 176 Seiten mit zahlr. Abb., brosch., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2187-5

Die Arbeitsgruppe für Sachkulturforschung und Museum ist eine der größten und aktivsten Kommissionen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv). Ihre Gründung 1970 stand im Kontext der kontroversen Diskussionen um das Selbstverständnis und die Neuorientierung des Faches Volkskunde, die auch den Arbeitsansatz kulturhistorischer Museen in Frage stellte. Der Titel der 18. Tagung der AG: "In die Jahre gekommen?" ist deshalb durchaus als Spiegelfrage zu verstehen, auch wenn dies (leider) nicht explizit zur Sprache kommt. Tatsächlich haben die Arbeitsgruppe und die vor ihr diskutierten Ansätze (etwa zur Alltagskultur) starken Einfluss auf die Sammelstrategien und Präsentationsformen kulturgeschichtlicher Museen nehmen können, und der Museumsboom der 1980er Jahre hat die Realisierung neuer Konzepte auf breiter Front möglich gemacht. Mit der Erfahrung im Rücken, dass jede Form des Zeitgemäßen einem eminenten Alterungsprozess unterliegt, schärft sich der Blick für die Vielschichtigkeit der materiellen Überlieferung der Museen. Die Frage, in welcher Art und Weise die historische Komplexität der Bestände mit den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Forderungen an die Museumsarbeit verbinden lassen, stellt sich im Abstand regelmäßig aufs neue. Besucherrückgang und finanzielle Engpässe befeuern den Prozess der kritischen Selbstbefragung. Die Beiträge in dem Tagungsband formulieren Strategien verschiedener Museumstypen im Umgang mit dem museal verwalteten Kulturerbe auf und diskutieren Perspektiven und Visionen, wobei die Suche nach neuen Themenstellungen und Vermittlungskonzepten, aber auch Konsequenzen für die Sammlungspolitik derzeit durch die Frage im Fluss gehalten wird, wer die Deutungshoheit über die verhandelten Inhalte besitzt oder in Anspruch nehmen kann. Insgesamt liefert der Tagungsband einen guten Überblick über den aktuellen Stand volkskundlicher Museumsarbeit. Der Innovationsdruck weckt durchaus kreative Potentiale, allerdings kann der Ideenschaulauf nur dann in erlebbare Museumspraxis umgespurt werden, so ein Fazit, wenn auch die erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen.

Anschauungssache Religion Susanne Claussen Anschauungssache Religion. Zur musealen Repräsentation religiöser Artefakte Bielefeld: Transcript 2009, 292 Seiten, kart., 23 s/w- Abb., 29,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1283-7

In Kunstmuseen oder kulturgeschichtlichen und ethnologischen Museen zählen Kult- und Ritualgegenstände zum festen Bestandteil der Sammlungen. Artefakte mit religiöser Bedeutung zu präsentieren, stellt Museen vor besondere Herausforderungen. Die Darstellung von Religion und Religiosität soll einerseits wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, andererseits gesellschaftliche Verantwortung und Respekt vor Glaubenszeugnissen bewahren. Gibt es hierfür eine angemessene Form? Wirkt die Musealisierung kultischer Objekten in Richtung Profanierung oder findet im Gegenteil eine Resakralisierung statt? Susanne Claußen verfolgt diese Fragen anhand konkreter Fallanalysen am Beispiel von Kloster Ansbach, einem Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, des Museums Schnütgen in Köln und der beiden Völkerkundemuseen in Bremen und Stuttgart. Sie analysiert die Dauerausstellungen der genannten Häuser und stellt dabei Überlegungen zu vier Grenzbegriffen an der Schnittstelle Religion/Museum an: zur Aura der Dinge, zum Museum als rituellem Ort, zum Museum als gesellschaftlich integrierendem Ort und zum Mythos im Museum. Die Untersuchung nutzt museologische, religionswissenschaftliche sowie semiotische Ansätze und mündet in grundsätzliche Überlegungen zur Darstellbarkeit religiöser Inhalte im Museum, wobei die Autorin insbesondere die Vermittlungsfunktion der Museen im Auge hat, der angesichts schwindender Kenntnisse und Eigenerfahrung auf Seiten des Besucherpublikums wachende Bedeutung bei der "Anschauungssache Religion" zukommt. Ein Manko sind die wenigen, meist kleinformatigen Abbildungen in dem Band, die dem Leser auf der diskursiven Durststrecke eher unerquicklich scheinen. Der Untersuchung liegt die kulturwissenschaftliche Dissertation der Autorin an der Universität Tübingen zugrunde.

Münzkunde Niklot Klüßendorf Münzkunde. Basiswissen (Hahnsche Historische Hilfswissenschaften, Bd. 5). Hannover: Verlag Hahnsche Buchhandlung 2009, 128 Seiten, 39 s/w-Abb., brosch., 14,80 Euro, ISBN 978-3-7752-6135-7

Der Band des Marburger Numismatikers Niklot Klüßendorf bietet eine komprimierte Einführung in die Historische Hilfswissenschaft der Münzkunde, die in der Praxis heute vor allem eine Museumswissenschaft ist, da sie ganz überwiegend in direkter Verbindung mit Münzkabinetten oder privaten Sammlungen betrieben wird, während sie im Universitätsbereich eher ein Schattendasein im Rahmen von Geschichte und klassischer Altertumswissenschaft führt. In sechs Kapiteln skizziert der Band , der sich auf Mittelalter und Neuzeit konzentriert, einen Überblick über die Wissenschaftsgeschichte der Numismatik, über Gegenstand und Methoden der Disziplin, Wegmarken der Geldgeschichte, die Verknüpfung mit den anderen Hilfswissenschaften: Diplomatik, Aktenkunde, Paläographie, Chronologie, Heraldik, Phaleristik (Ordenskunde), Sphragistik (Siegelkunde), Genealogie, Onomastik (Namenskunde), Metrologie (Kunde des Maßwesens), Historische Bildkunde. Institutionen, die sich mit Numismatik beschäftigen, stellt Kapitel V vor. Dem schließt sich ein historisch-systematischer Überblick von den Münzreformen der Karolinger bis zum Euro an sowie eine Auswahlbibliographie zu den einzelnen Kapiteln. Ein Index erschließt Namen und Sachbegriffe.

Repräsentation im Wandel Repräsentation im Wandel. Nutzung südwestdeutscher Schlösser im 19. Jahrhundert Hrsg. von Wolfgang Wiese und Katrin Rössler Ostfildern Jan Thorbecke Verlag 2008 (Oberrheinische Studien, Band 26), 296 Seiten mit 104, z. T. farbigen Abbildungen, gebunden, 34,– Euro, ISBN 978-3-7995-7826

Die "Profanierung" der Schlösser zu Denkmälern der Baukunst und die Musealisierung ihrer verschwenderischen Ausstattung sind eine unmittelbare Folge der Revolution in Frankreich, in deren Anfangsphase es zur demonstrativen Zerstörung von Adelbesitztümern gekommen war. Auch die Fürstenhöfe und Residenzen des deutschen Südwesten waren vor 200 Jahren einem tief greifenden Wandel unterworfen: Objekte absolutistischer Repräsentation generierten zu Objekten staatlicher bzw. öffentlicher Prestigekultur mit "herrschaftlicher Vergangenheit". Die Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg haben im Zusammenhang mit der vor kurzem abgeschlossenen Restaurierung des Mannheimer Schlosses eine Tagung zu diesem wenig erforschten Thema aus der Epoche zwischen Reichsdeputationshauptschluss 1803 und dem Ende der Monarchien 1918 veranstaltet, deren Beitrage der vorliegende Band publiziert. Hinter der gewandelten äußerlichen Schlossfunktion stehen weniger sichtbare, aber gravierende Veränderungen: das Auseinandertreten von Dynastie und Staat, die Herausbildung einer neuen Hofkultur, die Eroberung der "Denkmäler" durch die bürgerlich-industrielle Gesellschaft. Der Band ist zugleich ein aktueller Beitrag zur Frage des Eigentums von Kunstobjekten und ein wichtiger Baustein zur Geschichte deutscher Schlösser des 19. Jahrhunderts.
Dorf unterm Hakenkreuz Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg und der Arbeitsgemeinschaft der sieben regionalen ländlichen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg (Hrsg.) Dorf unterm Hakenkreuz. Diktatur auf dem Land im deutschen Südwesten 1933-1945 Ostfildern Süddeutsche Verlagsgesellschaft im Jan Thorbecke Verlag 2009, 176 Seiten mit 152 Abbildungen, brosch., 16,80 Euro, ISBN 978-3-7995-8044-1

Unter dem Titel "Dorf unterm Hakenkreuz" veranstalten die sieben regionalen Freilichtmuseen in Baden-Württemberg in diesem Jahr eine viel beachtete Ausstellungsreihe. Der vorliegende Band ist als Begleitbuch zu diesen Veranstaltungen konzipiert. Die einzelnen Themenbeiträge zum Nationalsozialismus auf dem Dorf ergänzen sich gegenseitig. Sie werfen Schlaglichter auf die Vielschichtigkeit und nicht selten Widersprüchlichkeit der nationalsozialistischen Diktatur, die über sechzig Jahre nach ihrem Ende immer noch Kontroversen und Debatten hervorruft. Neben Beiträgen über Kindheit und Jugend, Landwirtschaft zwischen Ideologie und Leistungssteigerung, Kriegsauswirkungen und Kinderlandverschickung werden auch die Zwangsarbeit in Landwirtschaft und die Verfolgung der jüdischen Landbevölkerung jeweils an konkreten Beispielen thematisiert. Der Band dokumentiert die Zeit mit zahlreichen historischen Fotografien, die, je nach Quelle und Intention der Aufnahmen, selbst den Graben zwischen Ideologie und Wirklichkeit markieren.

 

Ausstellungsgestaltung David Dernie Ausstellungsgestaltung. Konzepte und Techniken Ludwigsburg avedition 2006, 192 Seiten, 408 farbige Abb. und Pläne, gebunden, 59,- Euro, ISBN 978-3-89986-068-9

Ausstellungen, die mit spektakulärer Gestaltung aufwarten, gehören heute zum Standardrepertoire vor allem großer Museen. Zum Schlüssel des Erfolges werden hierbei zunehmend der Unterhaltungs- und Erlebniswert solcher Veranstaltungen, wobei die Grenzen zwischen kommerziellem und nicht kommerziellem Sektor verschwimmen. Die grundlegenden Prinzipien der Kunst anregender Präsentation sind längst austauschbar geworden. Eine Auswahl ambitionierter Projekte auf diesem Gebiet präsentiert der Autor und Herausgeber des vorliegenden Bandes vorwiegend aus britischen und amerikanischen, aber auch aus deutschen Museen. Die vorgestellten Beispiele stammen von namhaften Gestaltern und Architekten und bilden eine Art Corporate Branding der Szene. Narrativem, performativem und simuliertem Raum sind die ersten drei Abschnitte gewidmet, es folgen Kapitel über Präsentation, Beleuchtung sowie Kommunikation, Grafik und Farbe. Die einzelnen Kapitel sind vom Herausgeber, dem Leiter der Manchester School of Architecture, jeweils mit Einführungstexten versehen, während die Gestalterbüros ihre einzelnen Projekte mit Informationen zu Veranstaltungsort, Inhalt und Struktur der Ausstellung, besonderen Gestaltungslösungen und der evozierten Stimmung in den Räumen beschreiben und mit markanten Fotos und Plänen illustrieren. Wer einen Überblick über den aktuellen State of the Art sucht, ist mit dem Band gut bedient und anregend wirkt die Übersicht allemal.

Zeppelin-Ereignisse Saskia Frank Zeppelin-Ereignisse. Technikkatastrophen im medialen Prozess Marburg: Tectum Verlag 2008, 220 Seiten, Paperback, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8288-9836-3

Das Zeitalter der Zeppeline beginnt mit einem Unglück und endet mit einer Katastrophe. Im August 1908 geht das Luftschiff LZ 4 nach einer Notlandung bei Stuttgart in Flammen auf. Der populäre Graf mit der fixen Idee wäre ruiniert gewesen, wenn ihm damals nicht eine Spendenaktion innerhalb weniger Wochen die unglaubliche Summe von 6,5 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hätte. Und dann, nach 20 Jahren, das Ende einer Ära: Am 6. Mai 1937 fing das auf den Namen „Hindenburg“ getaufte Luftschiff Zeppelin LZ 129 bei der Landung im amerikanischen Lakehurst Feuer, verbrannte binnen Sekunden, und riss 35 Menschen in den Tod. Die Bilder prägen als visuelles Fanal das kollektive Gedächtnis bis heute. Mit Zeppelinen assoziieren wir nach wie vor zwei Seiten des technischen Fortschritts: Faszination und Katastrophe. Saskia Frank zeigt, wie der mediale Umgang mit der Entwicklung der Zeppeline Sinnstiftungen abseits technischer Fakten produzierte. Zeppelin-Flüge wurden zu Himmelfahrten zwischen Diesseits und Jenseits. Luftschiffe wurden im Luftkrieg 1914-1918 aber auch zu Vorboten des Unheils, im Nationalsozialismus zu Vehikeln der Massensuggestion, bei Unglücksfällen wie in Lakehurst zum unentrinnbaren Fanal. Welche neuen symbolischen Ebenen hierdurch eröffnet werden und was dies über den Umgang der Menschen mit technischen Katastrophen aussagt, ist nur eine der Fragen, mit der sich das Buch befasst. Frank zeigt in ihrer Marburger Dissertation  wie sich von jedem Unglück ein fester Bilderkanon durchsetzt, der das eigentliche Ereignis überdauert und die technische Katastrophe zu einem kulturellen Muster macht.

Sportvereinsgeschichte Sammeln, Archivieren, Auswerten Ein Leitfaden für Vereinsarchive, Festschriften und Jubiläumsausstellungen, hrsg. vom Institut für Sportgeschichte Baden-Württemberg e.V., 3. durchges. und erw. Auflage, Vaihingen/Enz 2000, 84 Seiten, 24 Abbildungen, geb., ISBN 3-933486-20-3, zu beziehen über IfS, Frankfurter Str. 4, 75433 Maulbronn (Schutzgebühr 5,10 Euro zzgl. 2,- Euro Versand)

Auch wenn die Gründung von Vereinen nicht mehr zu den Lieblingssportarten der Deutschen zählt, verkörpert Vereinsgeschichte nach wie vor ein wichtiges Kapitel Gesellschafts- und Kulturgeschichte, zumal die Geschichte von Sportvereinen. Doch nur wer sachgerecht sammelt und archiviert, sichert seinem Verein ein historisches Nachleben. Anleitung dazu bietet eine Handreichung, die das Institut für Sportgeschichte in Maulbronn, selbst ein Verein, für ambitionierte Freizeithistoriker erstellt hat. Die zentralen Beiträge befassen sich mit der Schriftgutaufbewahrung, der Konzipierung von Vereinsfestschriften (mit einer sportgeschichtlichen Literaturübersicht) und der Ausstellungsplanung. Der Leitfaden bietet auf diese Weise in knapper Form nicht nur die elementaren Grundlagen der archivalischen Überlieferungsbildung, sondern auch hilfreiche praktische Beispiele zum Umgang mit Vereinsgeschichte.
Schwarzwalduhren Berthold Schaaf Schwarzwalduhren 4., überarb. u. erw. Aufl., Karlsruhe: G. Braun Verlag 2008, 432 Seiten mit 450 Farbabb., gebunden, 68,- Euro, ISBN 978-3-7650-8391-4

Das 1983 erstmals erschienene Standardwerk zur Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacher und ihrer Produktion liegt nun in einer erweiterten Neuausgabe vor. Die profunde Sachkenntnis des Autors und das reiche, durchgängig farbige Bildmaterial vermitteln dem Leser einen anschaulichen Begriff von dem eigentümlichen Hausgewerbe, aus dem sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die für den Schwarzwald typische Feinwerktechnik und Uhrenindustrie entwickelt hat. Gestalt und Technik der bekannten Schwarzwälder Lackschilduhren finden sich ausführlich behandelt, von den ersten Holzräderuhren des ausgehenden 17. Jahrhunderts bis zur Absatzkrise der klassischen "Bauernuhren" um 1840. Mit der Gründung der Furtwanger Uhrenmacherschule unter der Leitung von Robert Gerwig beginnt im Schwarzwald der Wandel zur industriellen Fertigung, die vor allem auch Märkte in Übersee bedient. Dem Export von Schwarzwalduhren nach Amerika ist in der Neuausgabe dem entsprechend ein eigenes Kapitel gewidmet. Neu ist auch ein Beitrag über eine von Schwarzwäldern im Erzgebirge gegründete Uhrenfabrikation in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein weiterer Abschnitt widmet sich der Arbeitswelt der Handwerker und dem Uhrenhandel. Eigene Kapitel befassen sich mit den "Spezialitäten" der Schwarzwälder Uhrenproduktion: der Kuckucksuhr, den Figuren- und Musik-Uhren und schließlich den Jockele- und Sorguhren. Da der Band sich in erster Linie an den Uhrensammler richtet und als Nachschlagewerk konzipiert ist, wird generell auf Quelleneinzelnachweise verzichtet und ein knappes Literaturverzeichnis am Ende des Bandes nachgeschaltet. Das Namensverzeichnis zur Schwarzwälder Uhrmacherei im Anhang, das neben Uhrmachern auch Schildermaler, Gestellmacher und Händler umfasst, ist auf mehr als 3.500 Einträge erweitert worden. So steht der Handbuchcharakter des Werkes im Vordergrund, der eine schnelle, aber doch ausreichend präzise Orientierung erlaubt und deshalb nicht nur für Sammler und Liebhaber taugt, sondern auch in der Museumsbibliothek gute Dienste leisten kann.

Ur- und Frühgeschichte Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.) Ur- und Frühgeschichte. Führer durch die Archäologische Abteilung Karlsruhe: Info Verlag 2008, 160 Seiten mit 38 s/w. und 153 farbigen Abb., brosch., 16,90 Euro, ISBN 978-3-88190-523-7

Die Sammlungen des Badischen Landesmuseums zur Ur- und Frühgeschichte reichen von der Steinzeit bis zu fränkischen Grabungsfunden aus dem 7. Jh. n. Chr. Ein neuer Führer erschließt den Zugang zur archäologischen Schausammlung, liefert Informationen zur Geschichte der einzelnen Epochen und erläutert deren Spezifika. Schlaglichtartig werden daneben einzelne Sach- und Wissensgebiete im Grundzug vorgestellt. Die durchgängig farbige Illustrierung liefert reiches Anschauungsmaterial und die Literaturübersicht gestattet eine vertiefende Beschäftigung mit dem Spektrum der skizzierten Themen. Mit seinem kompakten Überblick über die Ur- und Frühgeschichte in Baden ist der kleine Band nicht nur für den Besucher des Karlsruher Landesmuseums eine Bereicherung, sondern er dürfte auch den vielen Heimatmuseen willkommen sein, die archäologische Funde präsentieren - sei es als Einführung in das Fachgebiet für Nichtarchäologen oder auch direkt als Anregung für die didaktische Erschließung solcher Funde im eigenen Museum. In jedem Fall bietet der neue Führer eine Lektion Heimatkunde wie man sie sich öfter wünscht: kompetent und kurzweilig.

Experimentelle Architektur Martin Schmidt, Marlise Wunderli Museum experimentell. Experimentelle Archäologie und museale Vermittlung Schwalbach: Wochenschau Verlag 2008, 208 Seiten, 42 s/w-Abb., brosch., 14,80 Euro, ISBN 978-3-89974400-2

Die Experimentelle Archäologie ist im Fernsehen angekommen: Für eine Steinzeit-Soap hat die ARD eine Gruppe Freiwilliger in einer Pfahlbausiedlung einquartiert und unter prähistorischen Bedingungen das Überleben üben lassen. Sieht so „living history“ aus? Seit etwa 20 Jahren ist das Thema Experimentelle Archäologie auch im Museum ein Thema, und von den beiden Autoren des vorliegenden Bandes darf man wohl sagen, sie seien von Anfang an mit dabei gewesen. So ist das Buch nicht nur ein Erfahrungsbericht über die Umsetzung von experimenteller Archäologie im Museum, der eine ganze Reihe einleuchtender Projektideen und Anleitungen für die praktische Vermittlungsarbeit für Museumspädagoginnen und Lehrkräfte vorschlägt, sondern vor allem ein Plädoyer dafür, die Grenzziehung zwischen pädagogischer Methodik und der experimentellen Überprüfung historischer Frage- und Problemstellungen nicht allzu leichtfertig zu verwischen. Es ist indes nicht zu verkennen, dass die Archäologen auf diesem Feld auch Gefahr laufen, Opfer der eigenen Popularisierungsstrategien zu werden und man nun die Geister, die man rief, nicht mehr ohne weiteres abschütteln kann.
Notfallprävention Christoph Wenzel Notfallprävention und –planung für Museen, Galerien und Archive Köln: VdS-Verlag 2007 (Kölner Beiträge zur Präventiven Konservierung, Bd. 1), 176 Seiten, 35.- Euro, ISBN 3-936050-13-9

Katastrophen wie das Elbhochwasser oder das Feuer in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek haben das Problem fehlender Notfallpläne für Museen deutlich aufgezeigt. Sie gaben Anstoß zu der vorliegenden Diplomarbeit, die am Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Fachhochschule Köln geschrieben worden ist und zugleich den Auftakt einer neuen Buchreihe der FH bildet. Der Autor stellt zum einen detailliert Methoden und Wege der Risikoanalyse und des Risikomanagements vor. Im nächsten Schritt beschreibt er die Stationen der eigentlichen Notfallplanung für Museen, die in erster Linie Aufgaben und Verantwortungen eindeutig zu regeln versucht. Checklisten, Ablaufpläne sowie Empfehlungen zu stabilisierenden Maßnahmen an geschädigten Objekten im Anhang ergänzen den übersichtlichen gegliederten Band, der einen guten Einstieg in die Problematik bildet, wenn auch in etwas spröder Aufmachung. Der „feste Wille zur Optimierung der Abläufe“ ist für den Autor eine wesentliche Grundvoraussetzung dafür, dass die Planung von Notfallszenarien im Ernstfall zum Erfolg zu führen. Mit anderen Worten: Notfallprävention ist eine Daueraufgabe, die mit der gezielten Koordination des Personals steht und fällt.

Ellwanger Porzellan Wolfgang Rothmaier und Eberhard Veith Porzellan aus Ellwangen und Schrezheim 1758-1775 Ellwangen 2008, 215 Seiten mit 270 Farbabb., geb., 48,- Euro. Zu beziehen über www.schlossmuseum-ellwangen.de

Vor 250 Jahren, am 12. April 1758, genehmigte die fürstpröbstliche Hofkanzlei in Ellwangen der Witwe Prahl die Errichtung einer Porzellanmanufaktur. Joseph Jacob Ringler, ein erfahrener Arkanist aus Wien, leitete bis Anfang 1759 das Unternehmen, das Ende 1759 jedoch wieder geschlossen werden musste. Bereits seit 1752 besaß Johann Baptist Bux aus Schrezheim das Privileg zum Betrieb einer "Porcellain-Fabrique" in Schrezheim; doch in den ersten Jahren wurde dort ausschließlich Fayence hergestellt. 1761 gelang unter Mitwirkung des Malers und Arkanisten Johann Andreas Bechdolff die Herstellung von "echtem durchsichtigem Porcellain", allerdings ohne den erhofften wirtschaftlichen Erfolg, bis 1773 ein weiterer, weitgereister Arkanist den Betrieb in holländischem Auftrag erneut aufnahm: der Franzose Louis Victor Gerverot. Aber nach nur zweijähriger Pachtzeit verließ dieser Schrezheim bereits 1775 wieder. Damit endete auch hier die Porzellanfertigung. Eine Ausstellung im Sommer 2008 hat erstmals die bekannten Produkte der Manufakturen in Ellwangen und Schrezheim in einer Ausstellung zusammengeführt. Das zu diesem Anlass erschienene Begleitbuch liefert das Grundlagenwerk zur Geschichte der Porzellanherstellung auf der Ostalb, verfasst von den ausgewiesenen Spezialisten auf diesem Gebiet.
Living History Jan Carstensen, Uwe Meiners, Ruth-E. Mohrmann (Hgg.) Living History im Museum. Möglichkeiten und Grenzen einer populären Vermittlungsform Münster u.a.: Waxmann Verlag 2008 Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Bd.111), brosch., 176 Seiten mit 60 Abb., 24,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2029-8

In Skandinavien, den Niederlanden, Großbritannien und in den USA sind "Living History" und "Reenactment" vor allem in Freilichtmuseen eine weit verbreitete Darreichungs- und Veranstaltungsform, die inzwischen mehr und mehr auch in deutschen Museen Einzug hält - im Bereich der Archäologie, in Freilichtmuseen, aber zum Beispiel auch im Rahmen von Stadtführungen. Der vorliegende Band präsentiert die Referate einer Arbeitstagung der Volkskundlichen Kommission für Westfalen vom Oktober 2007 im Niedersächsischen Freilichtmuseum Cloppenburg, auf der Chancen und Risiken dieser populären Vermittlungsstrategie aus der Perspektive unterschiedlicher Fächer und Institutionen diskutiert wurden. Dabei wird Living History im Museum sowohl unter museologischen Aspekten analysiert als auch in der konkreten Museumsarbeit vorgestellt. Zudem kommen Akteure von Agenturen zu Wort, die Living-History-Programme für Museen bereitstellen.

Die Waldburg Max Graf zu Waldburg-Wolfegg (Hg.) Die Waldburg in Schwaben Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag 2008, 216 Seiten, gebunden, zahlr. farbige Abbildungen, 29,80 Euro, ISBN 978-3-7995-1069-1

Auf einem eiszeitlichen Höhenrücken thront die Waldburg über der Landschaft Oberschwabens; berühmt ist der Blick vom Dach der Burg auf das Voralpenland bei Föhnwetterlagen. Die Burg ist der Stammsitz eines ursprünglich welfisch-staufischen Ministerialengeschlechts, das im Mittelalter bedeutende Machtpositionen besetzte: Truchsesse, Schenke und Bischöfe gingen aus ihm hervor, unter anderem von Konstanz, Speyer und Straßburg. Im 13. Jahrhundert befanden sich sogar die Reichskleinodien auf der Waldburg. 1803 wurden die noch bestehenden Linien des Hauses Waldburg in den Reichsfürstenstand erhoben, doch bereits 1806 durch die neuen Königreiche Bayern und Württemberg mediatisiert. Heute beherbergt die Burg ein Museum und ist in den Sommermonaten zur Besichtigung geöffnet. Die Burg und ihre Baugeschichte bilden den Kern der Monografie, die nicht zuletzt dank ihrer guten Bildausstattung eine anschauliche Vorstellung von diesem Fixpunkt der Geschichte Oberschwabens vermittelt.

Aalener Jahrbuch Aalener Jahrbuch 2006-08, hg. vom Geschichts- und Altertumsverein Aalen e.V., 432 Seiten mit zahlr. s/w-Abb., brosch., 19,50 Euro, ISBN 978-3-9810452-3-9

Der Geschichts- und Altertumsverein Aalen legt in seiner Forschungsarbeit seit einigen Jahren einen Schwerpunkt auf Themen der Zeitgeschichte. Während in der letzten Ausgabe seines Jahrbuchs die Entwicklung der NSDAP in den 1920er Jahren verfolgt worden war, wird in dem neu erschienenen Band die Zeit 1934 bis 1939 verhandelt. Sieben Beiträge beleuchten die 1930er Jahre in der Kochstadt aus unterschiedlichem Blickwinkel und zeigen, wie die nationalsozialistische Ideologie alle Lebensbereiche durchdrungen hat. Nach dem Sturz des Oberbürgermeisters Friedrich Schwarz am 1. Februar 1934 betrachteten sich die Parteigenossen der NSDAP in Aalen als uneingeschränkte "Wächter des neuen Staates". Die Vorgaben der Nationalsozialisten regelten ab sofort, was in Gewerbe und Landwirtschaft zu geschehen hatte. Zugleich wurde die systematische Beeinflussung aller Altersgruppen mit NS-Gedankengut vorangetrieben; die rassistisch legitimierte "Volksgemeinschaft" war das Maß aller Dinge und prägte alle Lebensbereiche, so dass noch vor dem Ende der 1930er Jahre "Gleichschaltung" erreicht war.

Kunst und Unterricht Ins Museum. Kunst und Unterricht Nr. 323/324, Seelze/Velber: Erhard Friedrich Verlag 2008, 64 Seiten, 22,- EUR

Die Pädagogische Zeitschrift Kunst und Unterricht greift nach 10 Jahren erneut das Thema Museumsbesuch mit Schulklassen auf: Warum überhaupt ins Museum? Wann lohnt sich der Besuch? Wie kann aus dem Museumsbesuch mehr werden als ein kulturelles "Intermezzo" am Wandertag oder auf Klassenfahrt? Die Autoren dieser Ausgabe stellen neue Tendenzen und Formen der Zusammenarbeit von Schule und Museum vor, die auf aktuelle Veränderungen in beiden Institutionen reagieren. Der Materialteil stellt museumspädagogische Methoden vor. Erhältlich über www.friedrichonline.de (Inhaltsverzeichnis als PDF zum Herunterladen).
Sammeln will überlegt sein Im Museum – Sammeln will überlegt sein Mitteilungen der Thurgauischen Museumsgesellschaft, Heft 33, brosch., 120 Seiten, 56 farbige Abb., ISBN 978-3-9520631-3-2, zu beziehen über ICOM Schweiz zum Preis von 10 Euro zzgl. Versandspesen.

Die Sammlung bildet den Kern eines jeden Museums. Doch die Konkurrenz reiner Ausstellungs- und Veranstaltungsbetriebe macht es den Museen zunehmend schwieriger, die notwendigen konservatorischen Aufwendungen für die Sammlung im Budget zu verankern, denn vieles bleibt hier, vor allem für den Außenstehenden, Aufwand ohne kurzfristig sichtbaren Ertrag. Arbeit an der Sammlung heißt aber auch, strukturelle Überlegungen zur Schärfung der eigenen Sammlungspolitik anzustellen, denn Sammeln heißt stets: Auswählen. Der vorliegende, sehr ansprechend gestaltete Band stellt die Sammlungskonzepte der vom Schweizerischen Kanton Thurgau geführten Museen vor und zeigt zusätzlich am Beispiel des Rätischen Museums in Chur, wie zeitgemäße Sammlungskonzepte entwickelt werden können. Am anderen Ende sehen sich Museumsleute heute übervollen Depots und Magazinen gegenüber. Muss alles, was einmal gesammelt worden ist, auf ewig bewahrt werden? Deakzession lautet ein neues Zauberwort in der Museumsszene. Das Verkehrshaus in Luzern erläutert zum Abschluss der informativen Beiträge sein Konzept einer kontrollierten Sammlungsbereinigung.

Alles Rößler Alle(s) Rößler - die Untermünkheimer Schreinerfamilie Rößler im Lichte neuester Forschung, hrsg. vom Kultur- und Förderverein Rößler-Museum e.V. Begleitbuch und Katalog zur Sonderausstellung 25 Jahre Rößler-Museum Untermünkheim 2008, brosch. 182 Seiten mit zahlr. farbigen Abb., 16,- Euro, ISBN 3-9809177-4-6

Das Rößler-Museum in Untermünkheim hat im Jahre 2008 sein 25-jähriges Bestehen feiern können. Die Einrichtung ist benannt nach der Schreinerfamilie Rößler, die am Ort in zwei Generationen von 1779 bis 1849 tätig war. Das Begleitbuch zur Jubiläumsausstellung befasst sich neben Johann Heinrich Rößler und seinem berühmt gewordenen Sohn und Werkstattnachfolger Johann Michael Rößler aus Untermünkheim erstmals auch mit dessen Brüdern Johann Georg Rößler, Schreinermeister in Großaltdorf und Johann Friedrich Rößler, Schreinermeister in Eschental, die im Verlauf der langjährigen Forschungsarbeiten des Vereins identifiziert worden sind und deren Werke aufgespürt wurden. Mit Texten namhafter Fachautoren und einer Vielzahl farbiger Abbildungen gestattet der Band einen kompetenten Überblick über die von Untermünkheim ausgehende Möbelgestaltung im 18. und 19. Jahrhundert.

Cultural Business Christian Dingenotto Cultural Business - Kultur mit Gewinn. Ein Anwenderbuch Norderstedt: Books on Demand 2007, brosch., 140 Seiten, 15,50 Euro, ISBN 978-3-8370-0487-8.

Der kleine Band wendet sich an Geisteswissenschaftler und Kulturinstitutionen, die über keine oder zu wenig Mittel verfügen und stellt in Aussicht, über Hilfen zu einer geschickten Projektplanung auch solche Projektideen umsetzbar zu machen, die zunächst nicht finanzierbar erscheinen. Mit möglichst geringem finanziellem Aufwand eine professionelle und erfolgreiche Außenwirkung zu erzielen - wer möchte das nicht. Der Autor verspricht, zu diesem Zweck und Ende praxisorientiert Methoden und Grundelemente aus Kalkulation, Projektmanagement, Marketing und Gestaltung verfügbar zu machen. Nicht unsympathisch ist der etwas handgestrickte Zugang, den der Autor, ein studierter Ägyptologe, für seine Tipps und Tricks wählt. Man kann sich auf der Internetseite www.cultural-business.com selbst ein Bild von seiner Vorgehensweise machen. Von dort aus ist der Band, der zwar den notorischen Branchensprech verinnerlicht hat, sich aber dabei wenigstens kurz und bündig gibt, auch online bestellbar.

Bei uns daheim Bei uns daheim. Ein Wegweiser durch das Hohenloher Freilandmuseum mit seinen Gebäuden und ihrem historischen Umfeld Schwäbisch Hall 2008, brosch., 248 Seiten mit 413 Farbabb. und 113 s/w-Abb., ISBN 978-3-9806793-8-1, erhältlich an der Museumskasse zum Preis von 7,50 Euro.

Das Hohenloher Freilandmuseum in der unmittelbaren Nachbarschaft von Schwäbisch Hall ist das mit weitem Abstand größte Freilichtmuseum in Baden-Württemberg. In mehrere Baugruppen gegliedert, zeigt das Museum, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern konnte, mit über 60 Gebäuden ein breites Spektrum ländlicher Kulturgeschichte über eine Zeitspanne von vier Jahrhunderten. Hier tut Orientierung not. Dem Besucher steht in Wackershofen eine reiche Auswahl an Literatur zur Verfügung, die ihn über die Gebäude und die mit ihnen verbundene Geschichte informiert. Nun ist ein weiterer Führer durch das Museum erschienen, der einen kurzweiligen Überblick über die Gesamtsituation liefert, aber auch vielfach ins interessante Detail eintaucht und dabei den Exkurs nicht scheut. Dass Text und Gestaltung, aber auch die überwiegende Zahl der Abbildungen, trotz der Vielfalt der Themen, ein Werk aus einem Guss bilden, liegt vor allem daran, dass dies alles aus einer Hand stammt: aus der sachkundigen von Albrecht Bedal nämlich, dem langjährigen Leiter des Museums, der den Besucher mit sichtlicher Freude an der Sache durch die von ihm maßgeblich geprägte Anlage begleitet. Eine empfehlenswerte Anschaffung und dazu mehr als preiswert; ein Schnäppchen, dank Würth!

Spurensucher Lothar Dittmer/Detlef Siegfried (Hg.) Spurensucher. Ein Praxishandbuch für historische Projektarbeit Hamburg: Edition Körber-Stiftung 2005, brosch., 378 Seiten, 16,- Euro, ISBN 978-3-89684-332-6

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist der größte historische Forschungswettbewerb für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Die Autoren des Handbuchs Spurensucher kommen aus dem organisatorischen Umfeld dieses seit mehr als 30 Jahren stattfindenden Unternehmens, das für das forschende Lernen wirbt. Der Band soll in die Grundtechniken des historischen Arbeitens einführen und zwar auf dem klassischen Feld der Heimatgeschichte, auch wenn diese heute mit vielfach neuen, an aktuellen Problemen geschärften Fragestellungen beackert wird. Der Aufbau des Sammelbandes orientiert sich am Phasenverlauf eines lokalhistorischen Forschungsprojektes: von der Themenfindung über die wichtigsten Recherchetechniken, den Fragen der Materialordnung und Interpretation bis hin zu Formen der Präsentation und deren Produktion. Dabei eignet sich der Band nicht allein als Arbeitsbuch für Lehrer und Schüler, sondern erweist sich anregend und nützlich für jede Art lokalhistorischer Forschung durch interessierte Laien. Angesichts des günstigen Anschaffungspreises verschmerzt man die etwas trocken geratene Darreichungsform, der die eine oder andere zusätzliche Abbildung sicher nicht geschadet hätte.  

Archäologische Ausgrabungen 2007 Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart in Verbindung mit den Fachreferaten in den Regierungspräsidien, dem Archäologischen Landesmuseum, der Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern und dem Förderkreis Archäologie in Baden (Hg.) Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2007, Stuttgart: Theiss Verlag 2008, brosch., 272 Seiten mit 243 meist farb. Abb., 21,90 Euro, ISBN 978-3-8062-2176-3

Zum 27. Mal präsentieren die "Ausgrabungen" aktuelle Ergebnisse der archäologischen Forschung in Baden-Württemberg von der Altsteinzeit bis zur Neuzeit. In 64 gut bebilderten Beiträgen berichten Archäologen über die neuesten Grabungen und Funde im Land. Dass neben der Befunderhebung und –sicherung immer wieder auch spektakuläre Einzelfunde gelingen, zeigt das auf dem Umschlag des aktuellen Jahrbuchs abgebildete Reliquienkästchen aus dem 7. Jahrhundert, ergraben in einem alamannisch-fränkischen Gräberfeld am Rande von Hessigheim im Kreis Ludwigsburg. Wie in so vielen Fällen ergab auch hier eine Baulanderschließung den unmittelbaren Anlass zu einer umfangreichen Rettungsgrabung. Das aufwendig mit beschnitzten Beinplättchen verzierte, möglicherweise aus Italien stammende Kästchen wurde bereits 2006 geborgen und ist das prominenteste Stück unter inzwischen 5000 Objekten, die in annähernd 300 Hessigheimer Gräbern gefunden worden sind. Hervorzuheben sind weiterhin auch die Grabungsergebnisse des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Schwerpunktprogramms zu keltischen Fürstensitzen im Umfeld der Heuneburg und auf dem Ipf.

Übernahme digitaler Daten Katharina Ernst (Hg.) Erfahrungen mit der Übernahme digitaler Daten. Bewertung, Übernahme, Aufbereitung, Speicherung, Datenmanagement Stuttgart/Leipzig: Hohenheim Verlag 2007 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Stuttgart, Bd. 99) 87 Seiten, Ill., 19,80 Euro, ISBN 978-3-89850-980-0

Der Band präsentiert Beiträge der elften Tagung des Arbeitskreises "Archivierung von Unterlagen aus digitalen Systemen", die im März 2007 vom Stadtarchiv Stuttgart ausgerichtet wurde. Digitale Dokumente spielen bei der Arbeit und im Privatleben eine immer größere Rolle. Während Papierakten und Urkunden über frühere Jahrhunderte Auskunft geben, werden Bürger und Historiker in Zukunft auch Datenbanken und digitale Dokumente als Quellen benötigen. Archive stehen vor der Herausforderung, flüchtige Bits und Bytes für kommende Generationen zu sichern und zu bewahren. Die Langzeitarchivierung muss vor allem vor drei Fragen beantworten können: 1. Welche Daten der heutigen Informationsflut haben historische Bedeutung und sollen für die Nachwelt erhalten bleiben? 2. Wie lassen sich diese Daten langfristig sichern? Und 3. Wie kommen diese Daten in die Archive? Zur Sprache kommen verfügbare Standards, Workflows und Erfahrungsberichte aus der Archivpraxis.
Archäologische Funde im Museum Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hg.) Archäologische Funde im Museum. Erfassen, Restaurieren, Präsentieren München/Berlin: Deutscher Kunstverlag 2007 (Museumsbausteine, Bd. 12), 128 Seiten mit 50 Abb., brosch., 14,90 Euro, ISBN 978-3-422-06747-9

Archäologische Sammlungen und Ausstellungen sind fester Bestandteil vieler Stadt- und Heimatmuseen. In ihrer Reihe Museumsbausteine hat die Münchner Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern einen Leitfaden zum Umgang mit archäologischen Objekten im Museum publiziert. Zumeist handelt es sich hierbei um Material, das auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheint: Scherben und Fragmente von Alltagsgegenständen aus einfachen Werkstoffen, dazu Knochenreste und stratigrafische Befunde, die bei Ausgrabungen zu Tage getreten sind, um Geschichtszeugen also, die in der Regel ausführlicher Kommentierung bedürfen, sofern sie für Ausstellungszwecke aufbereitet werden sollen. Der Sammelband  behandelt zunächst jedoch grundlegende Fragen zur Dokumentation, Restaurierung und Inventarisierung solcher Objekte. In weiteren Beiträgen werden die Präsentation von Ausstellungsstücken im Museum behandelt, Rekonstruktionsmöglichkeiten unter Einsatz moderner Bildgebungsverfahren erläutert und Methoden spezifischer Öffentlichkeitsarbeit vorgestellt. Die Beiträge zeichnen sich durch Praxisnähe aus. Entstanden sind sie in der Folge entsprechender Fortbildungsveranstaltungen der Münchner Landesstelle.
Sachwörterbuch Landwirtschaft Ursula Huggle und Norbert Ohler Sachwörterbuch Landwirtschaft. Südwestdeutschland in Geschichte und Gegenwart Bd.1: Grunddaten - Bevölkerung, Landesausbau und Siedlungswesen - Der landwirtschaftliche Betrieb - Abgaben und Dienste. Freiburg i. Br.: Herder Verlag, 2006, 608 Seiten mit 18 Farbabb. und zahlr. s/w-Abb.,  geb., 48,- Euro, ISBN 978-3-451-23029-5

Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war die Landwirtschaft die prägende Wirtschaftsform. Die Kulturlandschaft, die sich auf diese Weise im Laufe der Jahrhunderte ausgebildet hat, bestimmt noch immer unser Naturbild. Nicht zuletzt zeugt hiervon auch die Dominanz der Landwirtschaft in zahlreichen Heimatmuseen des deutschen Südwestens. Das vorliegende Sachwörterbuch dürfte all denen willkommen sein, die sich in diesem Zusammenhang mit einschlägigem Hintergrundwissen versorgen möchten, das über die lokale Begrenztheit der Alltagskultur hinausweist. 374 Stichwörter liefern in vier Kapiteln historische und aktuelle Informationen von der Dreifeldwirtschaft bis zum Industriedorf, vom Etterzehnt bis zur Motorisierung der Landwirtschaft. Das kompakte Nachschlagewerk breitet ein durch rd. 300 Tabellen illustriertes Begriffspanorama der ländlichen Lebenswelt aus, dessen Informationsvielfalt von den Autoren in langjähriger Sammelarbeit zusammengetragen worden ist. Ein zweiter Band zu den einzelnen Anbau- und Erwerbszweigen der Landwirtschaft in Südwestdeutschland soll folgen.

Handbuch Ausstellungspraxis Wolfger Pöhlmann Handbuch zur Ausstellungspraxis von A bis Z Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2007 (Berliner Schriften zur Museumsforschung, Bd. 5), 338 Seiten mit zahlr. s/w-Abb., geb., 59,- Euro, ISBN 978-3-7861-1692-9

Das Handbuch von Wolfger Pöhlmann ist erstmals 1988 erschienen. Zunächst als Handreichung einer internen Fortbildung für Mitarbeiter des Goethe-Instituts gedacht, ist der Leitfaden für den Aufbau von Wanderausstellungen zu einem Überblick über praktische Probleme bei der Realisation von Kunstausstellungen angewachsen. Fast 20 Jahre nach der Erstausgabe hat der Autor dem Band eine weitgehende Neubearbeitung angedeihen lassen, die nicht zuletzt Rücksicht auf den medientechnischen Fortschritt nimmt. Gleichwohl ist die Perspektive dieses Handbuchs unverändert geblieben: sie zielt auf die „eigenhändigen“ Ausstellungsmacher, die allein oder in einem kleinen Team alles selbst besorgen (müssen) und nicht auf die arbeitsteilige Produktion von Großausstellungen, wie sie bei größeren Veranstaltern üblich geworden ist. Als ABC des Ausstellungshandwerks ist dieser Leitfaden für den Praktiker geschrieben, der sich schnell orientieren möchte. Das ist die Stärke des Buches, markiert zugleich aber seine Grenzen: auf weiterführende Literatur oder andere Serviceangaben wie zum Beispiel Adressen wird konsequent verzichtet. Anders gesagt, der Band rechnet mit einem eigenständig orientierungsfähigen Benutzer und bietet deshalb für Anfänger auf dem Gebiet nicht ohne weiteres das Richtige.

Industrie- und Technikmuseen Beatrix Commandeur, Claudia Gottfried, Martin Schmidt Industrie- und Technikmuseen. Historisches Lernen mit Zeugnissen der Industrialisierung Schwalbach: Wochenschau Verlag, 2007, 206 Seiten, 32 s/w-Abb., brosch., 14,30 Euro, ISBN 3899743334

Der museale Blick auf die Zeugnisse der Industrialisierung ist älter als man auf Anhieb glauben möchte; er geht zurück auf die Präsentationspraxis der Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts. Allerdings: dieser Blick ist einem steten Wandel unterworfen, wobei das ursprüngliche Ziel, beim Besucher Technikbegeisterung zu wecken, neuerdings in Science Centern zu neuen Ehren kommt. In Industrie- und Technikmuseen ist dagegen seit Ende der 1970er Jahre das Thema Industriekultur in den Fokus gerückt, zunächst als Spezifikation der sog. Alltagsgeschichte. Das Ruhrgebiet hat hier eine Vorreiterrolle gespielt, gezwungen durch den Niedergang der Schwerindustrie. Der vorliegende Band, verfasst von Mitarbeitern des Rheinischen Industriemuseums, führt in den museumspädagogischen Umgang mit den Realien des Industriezeitalters ein: Was sind Industrie- und Technikmuseen? Was hebt sie von anderen Museen ab? Welche spezifischen Bildungsangebote machen sie? Wie sieht die konkrete Arbeit der Museumspädagogik in Industrie- und Technikmuseen aus? Welche Chancen und Möglichkeiten sind damit verbunden? Viele praktische Tipps und ein umfangreiches Adressenverzeichnis von Industrie- und Technikmuseen in Deutschland ergänzen den Band.

Hohner und Harmonika Hartmut Berghoff Zwischen Kleinstadt und Weltmarkt. Hohner und die Harmonika 1857 - 1961. Unternehmensgeschichte als Gesellschaftsgeschichte 2. Aufl., Paderborn: Schöningh Verlag, 2006, 670 Seiten, 48 s/w-Abb., brosch., 34,90 Euro, ISBN 3-506-72984-5

Die Mundharmonika ist das in der Welt am weitesten verbreitete Musikinstrument, und genauso weit verbreitet ist der Herstellername Hohner. Das Familienunternehmen aus dem Schwarzwaldstädtchen Trossingen ist Gegenstand einer gewichtigen sozialgeschichtlichen Monographie, die jetzt in einer preiswerten Sonderauflage neu publiziert worden ist. Die Tübinger Habilitationsschrift von Hartmut Berghoff aus dem Jahre 1997, ausgezeichnet mit dem renommierten ABB-Wissenschaftspreis, ist gründlich recherchiert und anschaulich geschrieben. Vom Aufstieg aus kleinsten Anfängen bis zum schmerzhaften Niedergang eines schwäbischen Weltunternehmens spannt sich der Bogen über ein Jahrhundert faszinierender Industrie- und Alltagsgeschichte. Unternehmensgeschichte will hier als Gesellschaftsgeschichte begriffen werden - der Autor formuliert diesen Anspruch im Untertitel, und er löst ihn mit seiner fundierten Studie auf eindrucksvolle Weise ein.

Das barrierefreie Museum Patrick S. Föhl, Stefanie Erdrich, Hartmut John, Karin Maaß (Hg.) Das barrierefreie Museum. Theorie und Praxis einer besseren Zugänglichkeit. Ein Handbuch Bielefeld: Transcript Verlag, 2007, 518 Seiten, brosch., 46,80 Euro, ISBN 978-3-89942-576-5

Das Thema barrierefreier Zugang hat längst auch die Museen erreicht. Von öffentlichen Einrichtungen wird heute zu Recht erwartet, dass sie sich mit den damit zusammenhängenden Problemen aktiv auseinandersetzen. Indem die Museen neben ihrem bildungspolitischen Auftrag vermehrt das Wohlbefinden und die Zufriedenheit ihrer Besucher im Fokus haben, rücken auch die Bedürfnisse älterer und behinderter Museumsbesucher stärker in das Blickfeld der Verantwortlichen. Der vorliegende Band stellt die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in Museen vor und präsentiert an ausgewählten nationalen und internationalen Beispielen, wie Museen unterschiedlichster Größe erfolgreich Wege zur Barrierefreiheit beschritten haben. Darüber hinaus werden Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und zur Finanzierung entsprechender Maßnahmen geliefert.
Arbeiten im Archiv Martin Burkhardt Arbeiten im Archiv. Praktischer Leitfaden für Historiker und andere Nutzer Paderborn: Schöningh, 2006. 136 Seiten, 12 Abb., 12,90 Euro, ISBN 3-8252-2803-7

Archivarbeit gilt nicht nur bei angehenden Geschichtswissenschaftlern als schwierig; auch interessierte Laien scheitern nicht selten am notorisch knappen Zeitbudget, das für die Quellenrecherche im Archiv normalerweise zur Verfügung steht. Ein neuer Praxisleitfaden leistet gute Hilfe bei der Vorbereitung eines Archivbesuches, damit der Forscher vor Ort nicht unnötig durch Orientierungsprobleme aufgehalten wird. Es geht in dem gut gegliederten Taschenbuch also in erster Linie um die Vorbereitung eines Archivbesuchs und die hierfür benötigten Informationen. Martin Burkhardt liefert hierfür eine knapp gefasste, aber sicher strukturierte Gebrauchsanweisung, illustriert vor allem durch Beispiele aus Baden-Württemberg. Nach einer kurzen Definition des Archivs in Abgrenzung von Museen, Bibliotheken und Dokumentationsstellen werden unterschiedliche Archivtypen und deren Träger in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland vorgestellt. Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Entwicklung konkreter Fragestellungen im Hinblick auf den Informationsgehalt konkreter Archivbestände. Burkhardt gibt Hinweise für die gezielte Recherche zu Personen, zur Lokal- und Regionalgeschichte, zur Wirtschaftsgeschichte und zum Nationalsozialismus. Es folgt eine Einführung in Benutzungsregeln und –verfahren, und schließlich werden die gängigen archivischen Findmittel und Quellengattungen erläutert. Den sehr empfehlenswerten Band beschließen ein Service-Teil mit Transkriptionsvorschlägen und Schriftbeispielen sowie eine kommentierte Literaturliste.
Umschlag: Im Land der Dinge Roger Fayet (Hg.) Im Land der Dinge. Museologische Erkundungen Baden: hier + jetzt. Verlag für Kultur und Geschichte, 2005 (Interdisziplinäre Schriftenreihe des Museums zu Allerheiligen Schaffhausen, Band 1) 264 Seiten, geb., 50 farbige und 56 s/w-Abbildungen, 32,80 Euro, ISBN 978-3-03919-005-8

In Schaffhausen findet sich das letzte Museum in der Schweiz, das sämtliche Sparten unter dem selben Dach vereinigt. Die Publikation thematisiert die Ausstellungspraxis des Museums, das erstaunlicherweise in dieser enzyklopädischen Form erst 1938 gegründet worden ist, fragt nach der zukünftigen Gestaltung des Hauses und beleuchtet das kulturpolitische Umfeld, in dem sich ein Museum heute befindet. Der vom Museumsdirektor herausgegebene Band versammelt zwölf Beiträge zur Theorie und Praxis des Museums. Dabei werden sowohl allgemein museologische Überlegungen als auch fachspezifische Fragestellungen aus Naturwissenschaft, Archäologie, Geschichte und Kunst erörtert. Der Sammelband dokumentiert in Text und Bild eine Ausstellung des Museums, die unter dem Titel „50 Blicke hinter die Dinge – Auf der Suche nach dem Geheimnissen des Museums“, die mit der Perspektive auf eine Neukonzeption des Hauses entstanden war.
Labyrinth des Rechts Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Hg.) Im Labyrinth des Rechts? Wege zum Kulturgüterschutz bearb. von Susanne Schoen und Andrea Baresel-Brand, Magdeburg 2007 (Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, 5), brosch., 402 Seiten, 15 Abb., 24,90 Euro, ISBN 978-3-9811367-2-2

Der vorliegende Band fasst die Vorträge einer Tagung zusammen, die im Oktober 2006 in Bonn stattgefunden hat. Die Beiträge behandeln die vielfältig verschlungenen Rechtsfragen rund um die Praxis des Kulturgüterschutzes: durch welche Regelungen deutsches Kulturgut geschützt wird, wie erfolgreich Rückgabeverhandlungen in der Praxis geführt werden und wo die Grenzen der Durchsetzbarkeit von Ansprüchen liegen. Ein Schwerpunkt liegt bei der sog. Beutekunst, also den von der Roten Armee konfiszierten deutschen Kulturgütern. Daneben geht es aber auch um den weltweit expandierenden illegalen Handel mit Kulturgütern und die Möglichkeiten und Grenzen polizeilicher Maßnahmen. Darüber hinaus werden auch die juristischen Probleme im Zusammenhang mit der Überlassung von Kulturgütern an öffentliche Einrichtungen thematisiert, wie sie unter anderem durch Leihverträge über Kulturgut aus dem Ausland entstehen. Der internationale Ausstellungsleihverkehr bietet hier zum Teil unerwartete Tücken, etwa durch Vergabevorschriften im Transportbereich.

Digitale Bilder und Filme Michael Wettengel (Hg.) Digitale Bilder und Filme im Archiv. Marketing und Vermarktung Vorträge des 66. Südwestdeutschen Archivtags am 24. Juni 2006 in Karlsruhe-Durlach. Stuttgart: Kohlhammer Verlag, 2007.114 Seiten, 29 farbige und 4 s/w-Abb., brosch., 12,50 Euro, ISBN 978-3-17-019916-3

Die Beschäftigung mit Bild- und Filmbeständen ist in Archiven lange vernachlässigt worden. Das hat sich geändert, auch wenn der Umgang mit bildlichen Quellen nach wie vor besondere Probleme birgt. Man hat erkannt, dass Bilder und Filme für die historische Bildungsarbeit oder für Ausstellungen und Publikationen unverzichtbar sind und deshalb seit den 1990er Jahren durch Digitalisierungsprojekte den Zugang zu Bildbeständen benutzerfreundlicher gemacht. Dass die bessere Verfügbarkeit die Nachfrage gesteigert und die Attraktivität der Bestände erhöht, war zu erwarten. Aber die Archive haben auch die Erfahrung gemacht, dass Nutzungshonorare wichtige Einnahmequellen sein können. Und da Getty, Corbis und Co. vormachen, wie mit Bildarchiven im großen Stil Kasse zu machen ist, versuchen sich zunehmend auch Archive mit der Vermarktung ihrer Bestände. Der Südwestdeutsche Archivtag hat sich 2006 mit den daraus erwachsenden Problemen befasst. Zum einen sind Marketingerfolge dünn gesät, die Konkurrenz privater Anbieter ist mächtig und der Marktzugang schwierig. Zum andern gibt es ein grundsätzliches Problem: Die Wirtschaftstätigkeit der öffentlichen Hand unterliegt aus gutem Grund Restriktionen. Die öffentlichen Archive genießen dafür steuerliche Privilegien, die bei einer allzu offensiven Gewinnstrategie den vermeintlichen Vertriebserfolg auch zur Falle werden lassen können.
Das magische Dreieck Heike Kirchhoff, Martin Schmidt (Hg.) Das magische Dreieck. Die Museumsausstellung als Zusammenspiel von Kuratoren, Museumspädagogen und Gestaltern Bielefeld: Transcript, 2007, 172 Seiten, brosch., 18,80 Euro, ISBN 978-3-89942-609-0

Ausstellungen sollen unterhalten, bilden und neue Erkenntnisse vermitteln. Dazu müssen Experten aus Wissenschaft, Gestaltung und Didaktik zusammenfinden. Doch wie funktioniert diese Zusammenarbeit? Ist es ein Mit-, Nach- oder gar Gegeneinander? Welche Bedeutung haben dabei ästhetische Wahrnehmung, fachwissenschaftliche Erkenntnisse und pädagogische Zugänge? Wie müssen Bildungsangebote aussehen, die den Anreiz und Unterhaltung bieten und zugleich anspruchsvolle Inhalte und neue Erkenntnisse vermitteln? Zudem werden von den Museen steigende Besucherzahlen erwartet - oft genug vor dem Hintergrund stagnierender oder gekürzter Mittel. Kurz: es geht um eine Positionsbestimmung der Institution Museum unter dem Stichwort "Magisches Dreieck", einem Begriff aus dem Projektmanagement, der auf die Wechselwirkung der zentralen Steuerungsgrößen zielt: Zeit, Kosten, Qualität. Der Band fasst die Ergebnisse einer Studienkonferenz des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler e.V. und der Thomas-Morus-Akademie Bensberg zusammen.
Bayer. Nationalmuseum Bayerisches Nationalmuseum (Hg.) Das Bayerische Nationalmuseum 1855 – 2005 München: Hirmer Verlag 2007, 880 Seiten mit 233 s/w-Abb. und 43 Farbtafeln, geb. 98,- Euro, ISBN 978-3-7774-2885-7

Aus Anlass seines 150-jährigen Gründungsjubiläums legt das Bayerische Nationalmuseum eine umfangreiche Publikation vor, deren Beiträge der Geschichte der Institution, ihrer Sammlungen und deren Präsentation gewidmet ist.
Das Bayerische Nationalmuseum gehört mit seinen Sammlungen zur Kunst- und Kulturgeschichte zu den bedeutendsten Museen Europas. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen abendländische Kunst vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zur Renaissance sowie Volkskunst. Vorgeschichte, Gründung und Erweiterung des zunächst dynastisch gedachten »Wittelsbachischen Museums« zu einem Bayerischen Nationalmuseum sowie die Einrichtung des 1867 eröffneten Museums an der Maximilianstraße leiten über zum 1900 eröffneten Neubau an der Prinzregentenstraße und dessen wechselvoller Historie. Am Beispiel dieser traditionsreichen Institution lassen sich grundsätzliche Motive und Umsetzungen des Museumsgedankens im 19. und 20. Jahrhundert nachvollziehen, die sich auf Volkskunde, Kunstgeschichte und -gewerbe erstrecken. Erstmals wird hier das Bayerische Nationalmuseum in einer so umfassenden Publikation gewürdigt. Der Band stellt nicht nur die Geschichte und die Sammlungen des Museums dar, sondern zeigt auch die Leistungen auf, die das Museum über seine Mauern hinaus erbracht hat.
Freilichtmuseen Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern (Hg.) Freilichtmuseen. Geschichte, Konzepte, Positionen München/Berlin: Deutscher Kunstverlag, 2006 (MuseumsBausteine, Band 11) 232 Seiten, 81 farbige und 18 s/w-Abb., brosch., 20,50 Euro, ISBN 978-3-422-06645-8

Ähnlich wie in Baden-Württemberg hat in Bayern die Gründung von Freilichtmuseen auf breiter Front erst seit den 1970er Jahren eingesetzt. Der endgültige Untergang der traditionell geprägten ländlichen Lebenswelt in den 1960er Jahren und die irreversiblen Veränderungen der bewirtschafteten Kulturlandschaft wie auch des dörflichen Lebensraums haben das Bedürfnis ausgelöst, zumindest in musealer Form zu dokumentieren, was sich nicht vor Ort bewahren lässt. Vorwiegend am Beispiel der bayerischen Museen gibt der in der Reihe MuseumsBausteine erschienene Band einen Überblick über die Arbeit dieses über die Jahrzehnte so erfolgreichen und beliebten Museumstyps. Der Band wird abgerundet durch eine Auswahlbibliographie, wichtige Dokumente zur Geschichte dieses Museumstyps und Kurzportraits aller wissenschaftlich geführten Freilichtmuseen in Bayern. Von Georg Waldemer redigiert, ist dieser MuseumsBaustein nicht zuletzt ein Abschiedsgruß für Kilian Kreilinger, der 30 Jahre lang den Aufbau der bayerischen Freilichtmuseen kompetent begleitet hat und 2006 in den Ruhestand getreten ist.
Alamannen Spurensuche Markus Bertet und Thomas Meyenhofer Alamannen - Spurensuche in der Vergangenheit. Eine fachübergreifende Unterrichtseinheit über die Alamannen Steps by ZKM (DIN A 4-Ordner und DVD) Verlag der Zürcher kantonalen Mittelstufenkonferenz 2006, 120 Seiten mit zahlr. Abb. Zum Vorzugspreis von 58,- EUR im Alamannenmuseum Ellwangen, Tel. 07961/969747

In der Reihe „Steps by ZKM“ ist Zusammenarbeit mit dem Alamannenmuseum in Ellwangen im Verlag der Zürcher kantonalen Mittelstufenkonferenz (ZKM) ein neuer Band erschienen. erschienen. Es bietet Lehrern eine vollständig vorbereitete Unterrichtseinheit über die Alamannen, einschließlich einer DVD mit Filmen, Powerpoint-Vorlagen, Abbildungsmaterial sowie Arbeitsblättern. Dabei wird insbesondere auf die Ausgrabungen von Lauchheim im Ostalbkreis Bezug genommen. Auch wenn es sich um die Veröffentlichung eines Schweizer Verlages handelt, ist diese doch in bester Weise für den Schulunterricht hierzulande einsetzbar.
Kinder zum Olymp Karin von Welck und Margarete Schweizer (Hg.) Kinder zum Olymp! Wege zur Kultur für Kinder und Jugendliche Köln: Wienand Verlag, 2004. 352 Seiten mit 130 farbigen Abb., brosch., 5,- Euro, ISBN 3-87909-829-8

Bei der kulturellen Bildung herrscht Notstand. Vor allem Kinder und Jugendliche brauchen mehr und besseren Zugang zu kulturellen Angeboten. Der Weg zu Musik, Tanz, Theater, Literatur und Malerei öffnet sich Kindern jedoch nicht von allein: Sie brauchen jemanden, der Ihnen einen Draht zu Kunst und Kultur vermittelt und sie mit der eigenen Begeisterung ansteckt. Den „Wegbegleitern“ der kulturellen Bildung soll dieses Handbuch mit 85 Projekten aus ganz unterschiedlichen kulturellen Bereichen eine Hilfestellung geben. Vorgestellt werden Museen, Theater, Orchester und Opernhäuser mit speziellen Angeboten für Kinder, Kooperationen von Schulen mit Künstlern, Musikern und Autoren und „coole“ Projekte wie zum Beispiel “Kids on Media“ oder „Fischbrötchen TV“. Abgerundet wird der Band durch Aufsätze, die einen interdisziplinären Blick über den Tellerrand zum Thema bieten, sowie einen Serviceteil mit Ansprechpartnern und Kontaktadressen für alle, die selbst ein ähnliches Projekt planen. Kinder zum Olymp! ist eine Jugendinitiative der Kulturstiftung der Länder (www.kinder-zum-olymp.de).
Schneidewind Betriebswirtschaft Petra Schneidewind Betriebswirtschaft für das Kulturmanagement. Ein Handbuch Bielefeld: Transcript Verlag, 2006, 204 Seiten, brosch., 24,80 Euro, ISBN 3-89942-546-4

Das Dilemma der Betriebswirtschaft für Kulturbetriebe ist der Kostenfaktor Arbeit: Während der Wert der Arbeit in den modernen Volkswirtschaften durch Produktivitätssteigerung ständig wächst, ist Kulturarbeit durch Rationalisierungsmaßnahmen nur bedingt zu beschleunigen. Auch die nichtmonetären Ziele im Betrieb, die außerökonomischen gar, machen es der Betriebswirtschaft nicht immer leicht, ihre Leistungsfähigkeit im Bereich kultureller Dienstleistungen unter Beweis zu stellen. Das vorliegende Handbuch kommt dem Benutzer hierbei insofern entgegen, als es sich auf zwei Kernbereiche konzentriert, die für Kultureinrichtungen heute unumgänglich sind: das Rechnungswesen nämlich und das Controlling. Die Autorin, die in Mannheim Betriebswirtschaft studiert hat und seit zehn Jahren am Institut für Kulturmanagement in Ludwigsburg ihr Fach vertritt, bietet einen gut gegliederten Überblick über die grundlegenden Methoden und Verfahren. Es dürfte nicht zuletzt der längjährigen Lehrpraxis der Autorin zu verdanken sein, dass ihr das Kunststück gelingt, die einschlägige Terminologie, die inzwischen alle Lebenslagen durchspurt, im sachlichen Zusammenhang so darzustellen, dass der Problemzugriff der Betriebswirtschaft nachvollziehbar wird. Für die kulturbetriebliche Praxis ist betriebswirtschaftliches Grundwissen dieser Art, so will es scheinen, heute unverzichtbar.
Apothekenmuseum Elisabeth Huwer Das Deutsche Apotheken- Museum. Schätze aus zwei Jahrtausenden Kultur- und Pharmaziegeschichte Regensburg: Schnell & Steiner, 2006, 308 Seiten mit zahlreichen Farbabb., geb. 29,90 Euro, brosch. (nur im Museumsshop) 19,90 Euro, ISBN 3-7954-1913-1

Das Deutsche Apotheken-Museum im Heidelberger Schloss ist eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Der gut illustrierte Band informiert über die Geschichte dieses einzigartigen Privatmuseums, behandelt die pharmazie- und kulturhistorischen Themen der Dauerausstellung und stellt schließlich die Schwerpunkte der umfangreichen Sammlung an ausgewählten Beispielen vor: Standgefäße aus Majolika, Glas oder Porzellan, Mörser, Waagen und Reiseapotheken, vielgestaltige Apothekenembleme, Gerätschaften wie Dampfapparate, Pressen, Pulverisiergeräte, aber auch religiöse Volkskunst, Medaillen und Archivalien, eine Grafiksammlung und die Museumsbibliothek. Die Autorin, die das Museum leitet, gibt dem Leser mit dem großformatigen Band eine kompetente und sehr anschauliche Einführung in die Apothekengeschichte an die Hand. Nützlich ist die handbuchartige Aufbereitung des Stoffes nicht zuletzt auch für Museen, die über eigene Bestände zum diesem Thema verfügen.
Vereinspraxis Dieter Harant/Ulrike Köllner Vereinspraxis. Ein Ratgeber zum Vereinsrecht, zum Arbeitsrecht und zu kaufmännischen Fragen 4. aktualisierte und erweitere Aufl., Neu-Ulm: AG SPAK Bücher, 2006, 214 Seiten, geb., 18,00 Euro, ISBN 3-923126-94-8

Eine klassische Organisationsform für Museumsträgerschaften ist der Verein. Im Zeitalter der Verrechtlichung aller Lebenslagen drohen auch hier juristische Fallstricke – zwar nicht auf Schritt und Tritt, aber man ist doch dankbar für jede Orientierung im Paragrafendschungel. Bereits in der vierten Auflage ist jetzt ein Leitfaden zur Vereinspraxis neu erschienen, der den Vorteil knapp gefasster Übersichtlichkeit bietet. Folgende Themen werden angesprochen: Vereinsrecht, Steuern, Buchhaltung, Arbeitsrecht, Zuwendungsrecht öffentlicher Förderung und Versicherungen. Eine mitgelieferte CD-ROM enthält Mustertexte, Merkblätter, Formulare, Gesetze und Vorschriften. Das Buch kann als Einführung in die Thematik gelesen werden; es kann im Alltag aber auch als Nachschlagewerk dienen. Vertiefende Informationen muss man sich im Bedarfsfall selbst beschaffen: auf weiterführende Literaturangaben wird nämlich leider weitgehend verzichtet.
designing exhibitions Aurelia Bertron, Ulrich Schwarz & Claudia Frey Ausstellungen entwerfen. Kompendium für Architekten, Gestalter und Museologen Basel: Birkhäuser, 2006. 264 Seiten mit 150 großenteils farb. Abb. und 40 Zeichungen, geb., Text in dt. & engl. Sprache, 29,90 Euro, ISBN 3-7643-7207-9

Was hat Vitruv mit Ausstellungsgestaltung zu tun? Nach Meinung von Bertron, Schwarz und Frey eine ganze Menge: Ihr kleinformatiger Band präsentiert anhand der Arbeiten der einschlägig bekannten Designerbüros in UIm und Berlin, wie kreative Arbeit auf diesem Feld vor sich geht. Nebenbei ist so eine Art Vademecum der Ausstellungsgestaltung entstanden, das die Entstehungsphasen von Ausstellungen aus der Sicht des Gestalters vorführt. Themen sind Präsentation und Inszenierung, Darstellung und Vermittlung, Text und Graphik, Typographie und Layout, Licht und Beleuchtung sowie Akustik. Der Prozess wird belegt anhand von typischen Skizzen, Diagrammen, Plänen, Wandabwicklungen, Simulationen, Darstellungen, Arbeitsmodellen in angepassten Maßstäben und Fotos realisierter Projekte – Anregung in Hülle und Fülle.
Inszenierung und Erlebnis Brigitte Kaiser Inszenierung und Erlebnis in kulturhistorischen Ausstellungen. Museale Kommunikation in kunstpädagogischer Perspektive. Bielefeld: Transcript Verlag, 2006, 448 Seiten, brosch., 32,80 Euro, ISBN 3-89942-452-2

Museumsfachleute beobachten die Zunahme von publikumsorientierten Ausstellungen kritisch. Sie befürchten, dass der Bildungsauftrag zu Gunsten von medienwirksamen Oberflächenreize aufgegeben wird.
Die Studie blickt einerseits kritisch-diagnostisch auf die gegenwärtige Ausstellungskultur. Besucherorientierte Konzepte mit narrativen, künstlerischen sowie partizipativen Ansätzen werden vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus thematisiert das Buch mit einer praktisch-produktiven Intention kommunikative Dimensionen musealer Präsentationen. Exemplarisch analysiert die Autorin unter diesem Blickwinkel die bayerische Landesausstellung „Kaiser Heinrich II.“, die 2002 in Bamberg über 200.000 Besucher angelockt hat.
Lernort Museum Hartmut John, Jutta Thinesse-Demel (Hg.) Lernort Museum - neu verortet! Ressourcen für soziale Integration und individuelle Entwicklung. Ein europäisches Praxishandbuch. Bielefeld: Transcript Verlag 2004, 202 Seiten, kart., 23,80 Euro, ISBN 3-89942-155-8

Die rasche Veränderung der modernen Lebenswelt führt zu einem neuen Verständnis von Bildung und Beruf. Auch die Institution Museum ist davon berührt. Zunehmend stellt sich die Frage, ob Museen nicht über die Informationsvermittlung und Unterhaltung hinaus noch weitere Funktionen erfüllen können und müssen – nicht zuletzt, um ihre Aufgabe für die Gesellschaft stärker zu legitimieren. Inwiefern können Museen auch dem Erwerb von sozialen Kompetenzen dienen und die Beschäftigungsfähigkeit und Neuorientierung von Menschen in unserem von Diskontinuität geprägten Lebensalltag unterstützen?
Der Band, der die Ergebnisse einer in 16 europäischen Ländern durchgeführten Langzeitstudie präsentiert, geht diesen Fragen nach und zeigt auf, wie innovative Museen schon heute als Laboratorien zur Erprobung neuer Lebensentwürfe wirken können.
Migration Henrike Hampe (Hg.) Migration und Museum. Neue Ansätze in der Museumspraxis. Münster: Lit Verlag, 2005 (Europäische Ethnologie, Bd. 5), 160 Seiten, brosch., 14.90 Euro, ISBN 3-8258-8698-0

Migration und Museum“ vereinigt dreizehn Beiträge einer Tagung der Arbeitsgruppe Sachkulturforschung und Museum in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde, die im Oktober 2004 im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm stattgefunden hat. Die Aufsätze befassen sich aus unterschiedlicher Perspektive mit Fragen und Problemen der Musealisierung von Migration, einem Thema, das in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Die Ulmer Tagung verstand sich als Beitrag zu der Diskussion um die Gründung eines zentralen Migrationsmuseums, einer Debatte, die jüngst durch den Vorschlag des Berliner Kulturstaatsministers Bernd Neumann, die vom Bonner Haus der Geschichte erarbeitete Ausstellung „Flucht, Vertreibung, Integration“ zum „Herzstück für künftiges Gedenken an Vertreibung“ zu machen, neue Nahrung erhalten hat. Der Tagungsband bietet einen guten Überblick über den Stand der Dinge in Sachen „Migration und Museum“, wenn auch neue Ansätze, wie sie der Untertitel der Publikation verspricht, nicht unbedingt zu erkennen sind.

Privatisiertes Museum Nikola Schmutzer Das privatisierte Museum - Vision oder Notwendigkeit? Formale Privatisierung kommunaler Museen - ein Weg zu ökonomischerem Handeln und erweiterten Entscheidungsfreiräumen? Weimar: VDG Verlag, 2005, 163 Seiten, 4 Abb. s/w, brosch., 21 Euro. ISBN 3-89739-502-9

Privatisierung kommunaler Kultureinrichtungen, Public Private Partnership, Reform des öffentlichen Sektors – nur Schlagworte, oder bieten sich hier tatsächlich Potentiale, die man auch als Chance begreifen kann? Die vorliegende Studie, entstanden als Diplomarbeit am Fachbereich Buch und Museen der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Privatisierungen auf das ökonomische Handeln und die Entscheidungsfreiräume im kommunalen Museumsbereich anhand von konkreten Beispielen. Die Autorin liefert im Rahmen ihrer Fallstudien zu vier Regiebetrieben hilfreiche Hintergrundinformationen zum Thema und Rechtsformwechsel.
Lapaire Claude Lapaire Kleines Handbuch der Museumskunde. Bern und Stuttgart: Verlag Paul Haupt, 1983. 160 Seiten, s/w Abb. ISBN 3-258-03190-8

Schon vor über zwanzig Jahren ist das Kleine Handbuch der Museumskunde des Kunsthistorikers Claude Lapaire erschienen. Auf gut 150 Seiten gibt der Autor, seinerzeit Präsident des Schweizer Museumsverbandes, einen übersichtlichen Abriss der Aufgaben und Tätigkeiten, die sich mit der Arbeit in einem Museum verbinden - ausdrücklich mit Blick auf die meist ehrenamtlichen Leiter von Lokal- und Regionalmuseen. Das äußerst informative Büchlein ist leider längst vergriffen. Antiquarisch ist es hin und wieder noch zu finden, und man kann nur raten, in dem Fall zuzugreifen, denn eine Neuauflage dieser sympathischen unaufgeregt formulierten Einführung in die Museumswelt ist nicht zu erwarten. Das eine oder andere Detail mag auf den ersten Blick schon etwas angestaubt erscheinen, doch das betrifft nur Nebensächlichkeiten. Gedanklich erweist sich der Band erstaunlich frisch und zeigt einen sicheren Blick für das Wesentliche – eine Eigenschaft, die jüngeren Publikationen mitunter abhanden gekommen scheint.

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... gibt eine Broschüre des baden-württembergischen Finanzministeriums, u.a. auch zu Museen und Museumsshops. Als PDF zum Herunterladen hier [1,1 MB]


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