Lamentoso. Was esse mer heut?
Eduard Mörikes Haushaltungs-Buch
Einträge vom 16. Okt. 1843 bis 27. April 1847
120 Seiten, gebunden, Einträge mit Tinte und Bleistift
H. 19,5 cm, B 11,5 cm
Bad Mergentheim, Deutschordensmuseum, Inv.Nr. 1454
1843 wurde Eduard Mörike im Alter von 39 Jahren aus dem Pfarrdienst in den Ruhestand versetzt. Die kleine Pension, die Landeskirche ihm gewährte, und gelegentliche Honorare reichten kaum aus, den Lebensunterhalt für sich und seine jüngste Schwester Klara, die ihm den Haushalt führte, zu bestreiten. Zu allem plagten Mörike Schulden, in die er durch Bürgschaften für seine Brüder geraten war. Gründe genug, ein Haushaltungs-Buch anzulegen, um das knappe Budget straff zu kontrollieren.
Mörike ließ sich nach seiner Pensionierung für einige Jahre in Mergentheim nieder. Im April 1845 bezogen sie eine Wohnung am Marktplatz im Haus eines ehemaligen Offiziers, dessen Tochter mit den Mörikes seit einem früheren Kuraufenthalt befreundet war. Nach dem Tod des Vaters zog Margarethe Speeth in den Haushalt der Geschwister; ein schwieriges Dreiecksverhältnis begann, das weder durch ein lange verheimlichtes Eheversprechen Mörikes noch durch die Heirat des Paares 1851 und den anschließenden Umzug nach Stuttgart zu entflechten war.
Die eher eintönig aufgelisteten Ausgabeposten für "Brod", "Weck" und "Milch", Hutzelobst und Presswurst, Lichter und Schwefelhölzchen, Öl, Essig, Brennholz und so weiter werden durch Mörikes humorvolle Marginalien zu einem intimen Bilderbogen der ersten Lebensjahre in dem tauberfränkischen Kurort, der im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts durch den auflebenden Badebetrieb langsam den Verlust des Deutschordenshofstaats kompensieren konnte. Eine der Töchter des Dichters hat das Büchlein 1904 aus Anlass des 100. Geburtstages Mörikes dem Mergentheimer Altertumsverein gestiftet.
Es bildet bis heute das Glanzstück der Mergentheimer Mörike-Sammlung, deren Grundstock durch den Pfleger des Bezirksheimatmuseums Karl Fleck über viele Jahre zusammengetragen worden ist. Im Vorfeld der Neueinrichtung des Mörike-Kabinetts im Deutschordensmuseum konnten weitere Erwerbungen getätigt werden. Neben Mörikes Mergentheimer Jahren widmet sich das Kabinett auch der Rezeptionsgeschichte des Lyrikers, dessen literarische Bedeutung erst im 20. Jahrhundert im vollen Umfang erkannt worden ist.
Literatur Eduard Mörikes Haushaltungsbuch. Faksimile der Handschrift, erläutert und eingeführt von Hans-Ulrich Simon, Marbach am Neckar/Stuttgart 1994 (Marbacher Schriften 40/41). - Mörikes Mergentheimer Jahre. Zum Mörike-Kabinett im Deutschordensmuseum, hrsg. von Maike Trentin-Meyer, Baunach 2007.
<September 2009>