Foto H. Raab
Shatter Cone
Weißjurakalk, L. 13 cm
Fund aus dem Steinheimer Becken, Lkr. Heidenheim
Steinheim am Albuch, Meteorkratermuseum
Eingetieft in die Hochfläche des Albuch im Nordosten der Schwäbischen Alb liegt das Steinheimer Becken, ein kreisrunder Kessel von rund 3,8 Kilometern Durchmesser mit einer markanten Erhebung im Zentrum. Es sind die Reste eines Kraters, der im Miozän, vor rund 15 Millionen Jahren, durch den Einschlag eines kosmischen Körpers entstanden ist. Nur 40 Kilometer östlich vom Steinheimer Becken liegt das ungleich größere Nördlinger Ries, das offenbar gleichzeitig durch den Einschlag eines Asteroiden ausgesprengt wurde. Beide zählen zu den am besten erhaltenen Meteoritenkratern der Welt.

Steinheimer Krater, Luftaufnahme von A. Brugger
Die Entstehung des Steinheimer Beckens beschäftigt die Geologie seit 180 Jahren. Erst spät, seit den 1960er Jahren, konnte die Impakttheorie durch Bohrungen und geophysikalische Untersuchungen untermauert werden. Ein wichtiges Indiz für das kosmische Ereignis bilden die sog. Strahlenkegel (Shatter Cones). Dabei handelt es sich um verformtes Gestein (Metamorphite) mit charakteristischen Druckstrukturen (Strahlenbündel), verursacht durch punktuelle Hochbelastung bei der Kollision mit einem Meteoriten. Im feinkörnigen Jurakalk des Steinheimer Beckens sind diese Gesteinsverformungen besonders deutlich ausgeprägt.
Man ist bislang davon ausgegangen, dass das Nördlinger Ries und das Steinheimer Becken durch einen kosmischen Doppeltreffer entstanden sind, verursacht durch zwei Gesteinsmeteoriten. Nun haben zwei Impaktforscher vom Institut für Planetologie der Universität Stuttgart eine neue Theorie entwickelt. Danach ist das Steinheimer Becken durch den Einschlag eines großen Eisenmeteoriten entstanden, der als Mond einen steinernen Asteroiden von etwa einen Kilometer Durchmesser umkreist hat. Der Asteroid sprengte beim Aufschlag den Krater des Nördlinger Ries aus, der Eisenmond das Steinheimer Becken.
Hinweise auf den Eisenmeteoriten haben Elmar Buchner und Martin Schmieder bei der Untersuchung der Bohrkerne aus den Sechzigerjahren gefunden, die im Steinheimer Meteorkratermuseum aufbewahrt werden. Modernste Analyseverfahren haben die Wissenschaftler auf die neue Fährte gebracht, denn bis auf winzige geochemische Spuren ist der etwa 100 Meter große Eisenmond bei dem gewaltigen Einschlag verdampft. In diesem Monat präsentieren die beiden Stuttgarter Forscher ihre wissenschaftlichen Ergebnisse auf der Jahreskonferenz der Meteoritical Society in Nancy erstmals dem internationalen Fachpublikum.
Literatur Elmar P.J. Heizmann und Winfried Reiff: Der Steinheimer Meteorkrater, München 2002
<Juli 2009>