Biblia Das ist: Die gantze heilige Schrifft Teutsch. / D. Martinus Luther. Aus dem Exemplar / welches bey lebzeiten D. Luthers seligen / zu Wittemberg / Anno etc. 45 außgangen / getrewlich nachgetruckt. Getruckt zu Tübingen / bey Georgen Gruppenbach / Anno 1591. (Erscheinungsdatum im Kolophon: 1590)
Rot- und Schwarzdruck, handkoloriert, 712 Bl. Folioformat; gebunden in zwei zeitgenössische Ledereinbände mit Goldprägung
Erworben 1960
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Sign. Bb deutsch 1590 04
Die erste im Herzogtum Württemberg gedruckte deutschsprachige Bibel erschien 1590/91 im Auftrag Herzog Ludwigs bei Georg Gruppenbach (1552-1610) in Tübingen. Sie folgt dem Text der Lutherbibel von 1545, der Ausgabe letzter Hand. Im ausgehenden 16. Jahrhundert war dies im Zwist um die richtige Bibelübersetzung bereits weniger ein philologisches als vielmehr ein theologisches Bekenntnis. Das hier gezeigte Exemplar trägt eine handschriftliche Widmung des Herzogs an seinen Kammersekretär Johannes Sattler (1554-1619) mit Datum vom 27. März 1591.

Kolorierter Textholzschnitt "Jakobs Kampf mit dem Engel" (1. Mose 32) von Christoph Murer (1558-1614)Ein zweites Exemplar dieser Ausgabe in der Stuttgarter Landesbibliothek wurde 1784 von dem deutschen Pfarrer Josia Lorck (1723-1785) angekauft, dessen umfangreiche Bibelsammlung Herzog Carl Eugen in Kopenhagen für die von ihm gegründete öffentliche Bibliothek in Stuttgart erworben hat. Die Lorcksche Sammlung lieferte den Grundstock für eine der weltweit größten Bibelsammlungen, die heute über 19.000 gedruckte Bibelausgaben in mehr als 600 Sprachen umfasst.
Unter dem Titel Die Bibel und Württemberg zeigt die württembergische Landesbibliothek noch bis Ende Juli eine Auswahl aus den Beständen ihrer Sammlung. Anlass gibt das Doppeljubiläum 475 Jahre Reformation und 450 Jahre Große Kirchenordnung, das die Evangelische Landeskirche mit einer ebenfalls noch bis Ende Juli dauernden Ausstellung in der Stuttgarter Schlosskirche veranstaltet, dem ersten nachreformatorischen Kirchenbau in Württemberg.
Im Mai 1534 war Herzog Ulrich nach der Schlacht bei Lauffen am Neckar mit Hilfe des hessischen Landgrafen Philipp wieder nach Württemberg zurückgekehrt. Am 16. Mai 1534 wurde in der Stuttgarter Stiftskirche der erste öffentliche evangelische Gottesdienst gefeiert. Die Große württembergische Kirchenordnung, geht auf den Reformator Johannes Brenz (1499-1570) zurück, der als Architekt der württembergischen Landeskirche gilt; sie wurde 1759 von Herzog Christoph erlassen und hat das kirchliche wie das politische Leben Altwürttembergs bis ins 20. Jahrhundert geprägt.
Literatur Ausstellungskatalog Die Bibel und Württemberg. Die Bibelsammlung der Württembergischen Landesbibliothek, bearb. von Eberhard Zwink, Stuttgart 2009, Kat. Nr. 37/38. – Ausstellungskatalog Württemberg wird evangelisch. 475 Jahre Einführung der Reformation in Württemberg, 450 Jahre Württembergische Grosse Kirchenordnung, bearb. von Andrea Kittel und Wolfgang Schöllkopf, Stuttgart 2009.
<Juni 2009>