Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Bienenrüsselmesser

Bienenrüsselmesser
Wilhelm Wankler (1855-1929)
Rüsselmessapparat für die Bienenzucht

Sulzburg, 1908

Blech, gelötet

H 2 cm, B 4 cm, L 6 cm

Münstertal, Bienenkunde-Museum, Nachlass Wankler

Die Imkerei hat in Baden-Württemberg traditionell eine große Bedeutung. 17.000 Imker betreuen hier im Durchschnitt 10 Bienenvölker. Etwa 80 Prozent der auf Insektenflug angewiesenen Kulturpflanzen und ein großer Teil der Wildpflanzen werden von Honigbienen bestäubt. Dennoch hat sich die Zahl der Imker und der Bienenvölker in den letzten 50 Jahren mehr als halbiert. In jüngster Zeit machen Bienenvergiftungen durch insektizide Saatgutbehandlungsmittel den Imkern im Land große Sorgen.

Ein Zentrum der Imkerei ist Südbaden. Traditionsreiche Imkervereine kümmern sich seit mehr als hundert Jahren um die Haltung und Zucht der Honigbienen. Einer der rührigsten Vereine hat seinen Sitz in Münstertal im südlichen Schwarzwald. Wilhelm Wankler aus Sulzburg (1855-1929) hat diesen Verein 1901 zusammen mit Karl Pfefferle (1861-1935) gegründet. Als Imker beschäftigte Wankler vor allem das Problem der Königinnenzucht. Er gilt als Pionier auf diesem Gebiet. Unermüdlich widmete er sich der Konstruktion von Gerätschaften für seine Zuchtversuche. Als gelernter Uhrmacher verfügte Wankler über das nötige technische Geschick für seine Erfindungen. Er baute Geräte und Werkzeuge zur Umbettung der Larven, Schutzkäfige, Begattungskästchen und Apparate für die künstliche Besamung der Königinnen. Zur Überprüfung des Zuchterfolges entwickelte Wankler verschiedene Rüsselmessapparate. Je länger das Mundwerkzeug der Arbeitsbienen war, desto höher würde der Ertrag ausfallen, war die Rechnung Wanklers. In das Blechkästchen wurde eine Honiglösung eingefüllt, die die Bienen durch die Löcher im Deckel aufnehmen konnten. Je länger die Rüssel des betreffenden Bienenvolkes waren, desto weniger Flüssigkeit blieb zurück.

Wie so viele Erfinder musste Wankler lange um die Anerkennung seiner Leistung kämpfen. Für Jahre galt er unter Imkern als Exzentriker. Die von ihm entwickelten Zuchtgeräte trugen ihm mehr Spott als Lohn ein und blieben unverkäuflich. 1883 traf Wankler auf einem Imkerkongress in Frankfurt einen Fachmann aus den USA, wo man sich ebenfalls mit der künstlichen Weiselzucht beschäftigte. Frank Benton (1852-1919) erwarb Wanklers Erfindungen, und in den Vereinigten Staaten fanden Wanklers Ideen schneller Anerkennung als bei europäischen Bienenzüchtern. Als Wankler seine Zuchtmethoden und Erfahrungen 1903 veröffentlichte, wurde ihm schließlich doch noch die vermisste Anerkennung zuteil: sein Buch erlebte bis zu seinem Tod mehrere Auflagen.
 
Einiges aus Wilhelm Wanklers Nachlass bewahrt heute das Bienenkunde-Museum in Münstertal auf, so auch den hier gezeigte Rüsselmessapparat. Imkermeister Karl Pfefferle, der Enkel des Gründers des Münstertäler Imkervereins, hat das Museum 1976 zum 75-jährigen Vereinsjubiläum eingerichtet. Im ehemaligen Rathaus der Gemeinde Obertal ist seit 1978 eine der größten Spezialsammlungen zur Geschichte der Imkerei untergebracht, die es hierzulande gibt. Mehr als 1500 Exponate aus aller Welt veranschaulichen ein eindruckvolles Kapitel Natur-, Agrar- und Kulturgeschichte.


<Juli 2010>
 
 

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