Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Zunftzeichen

Zunftschild
Hausschild der Wertheimer Schreiner
Letztes Viertel 18. Jahrhundert
Schmiedeeisen, feuervergoldet
H. 42 cm, B. 47,5 cm
Wertheim, Grafschaftsmuseum, Inv. Nr. 728

Jeder Salzburgtourist kennt die Getreidegasse und ihre berühmte Zunftschildergalerie. Solche Schilder dienten ursprünglich dazu, die Unterkunft der einzelnen Handwerker- und Krämervereinigungen zu markieren. Als Ausleger von Gasthäusern hat sich diese Funktion sprechender Bildzeichen bis heute erhalten. Zunftaltertümer zählen zu den ältesten Sammlungssparten kulturgeschichtlicher Museen, auch in Wertheim, wo seit Ende der 1870er Jahre eine städtische Sammlung angelegt worden ist.

Das hier vorgestellte Schild ist unschwer den Holz verarbeitenden Berufen zuzuordnen: Zwei heraldische Löwen halten Schreinerwerkzeug - Hobel, Winkel und Streichmaß. In Wertheim waren neben Schreinern auch Zimmerleute, Wagner und Mühlenbauer in einer gemeinsamen Zunft organisiert. Die Zünfte waren stets mehr als nur Gewerbeverbände zur Wahrung und Regulierung der wirtschaftlichen Rechte und Interessen ihrer Mitglieder, und genau dieser korporative Geist wurde mit Zeichen und Gerätschaften symbolisch beschworen. Doch mit der Einführung der Gewerbefreiheit im Jahre 1862 und der damit verbundenen Auflösung der Zünfte verlor das zünftige Traditionsbesteck seine praktische Bedeutung und wurde zum Gegenstand der Erinnerung.

Das Wertheimer Schreinerzunftschild ist 1905 als Geschenk eines ortsansässigen Schreinermeisters den städtischen Sammlungen einverleibt worden. Im Jahr zuvor hatte sich der Historische Verein Alt-Wertheim gegründet, der die Neuaufstellung und Betreuung der städtischen Altertümersammlung in der restaurierten Kilianskapelle übernahm. Beraten wurde der Verein von Ernst Wagner, dem Direktor der Großherzoglich badischen Sammlungen, nach dessen Vorgaben die Objekte auch in einem ersten Inventar erfasst wurden. Zunftsachen bildeten in diesem Inventar eine eigene Sachgruppe.

Unser Zunftschild ist auf einem Foto dieser ersten systematischen Aufstellung gut zu erkennen. In diesen Tagen dient es zur Bewerbung einer Sonderausstellung des Grafschaftsmuseums Wertheim, die über die Geschichte des Wertheimer Schreinerhandwerks und seiner Erzeugnisse berichtet und die Möbelsammlung des Hauses vorstellt. Die Ausstellung Es war einmal...wie man sich bettet so lebt man ist noch bis Ostern 2009 zu sehen.
 

Literatur Marion Diehm: ...für die anzulegenden städtischen Sammlungen stiften zu wollen – Die kulturhistorischen Sammlungen der Stadt Wertheim 1878 bis 1933, in: Wertheimer Jahrbuch 2002, Seite 205ff.

 

<Dezember 2008>

 
 

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