Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Hexenhemd

Hexenhemd
oder Schandkleid
Veringenstadt, 17. Jh.
Flachs, gewoben
L 135 cm
Veringenstadt, Heimatmuseum

Die Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit zählen zu den grausigsten Kapiteln europäischer Geschichte. Im Zeitraum zwischen 1430 und 1780 wird die Zahl der Opfer auf mehrere Zehntausend geschätzt. In oft gut dokumentierten Gerichtsprozessen wurden die Angeklagten regelmäßig zum Tode verurteilt. Als Beweisverfahren galt die Folter, unter der die Opfer früher oder später, aber stets, geständig wurden. Im Jahr 1680 wurde Anna Kohler, die kräuterkundige Frau eines Baders, in dem Zollernstädtchen Veringen, der Hexerei angeklagt. Es folgt der letzte von insgesamt sieben bekannten Hexenprozessen in Veringenstadt seit 1491. Die Prozessakten halten fest, dass der Bader-Ann vor der Tortur der Körper rasiert und anschließend zwei geweihte Hemden übergestreift wurden.

Vor dem peinlichen Verhör mussten Schutzmaßnahmen gegen die Macht des Teufels ergriffen werden. Um magische Kräfte abzuwehren wurden den Angeklagten oft die Haare geschoren, und sie mussten vor dem Verhör ein neues härenes Hemd anlegen, damit auch in ihrer Kleidung keine Zaubermittel verborgen werden konnten. In katholischen Gegenden war das Hexenhemd zudem geweiht und die Delinquenten wurden zusätzlich mit Weihwasser besprengt und beweihräuchert.

Seit alters her gilt das im Rathaus von Veringenstadt aufbewahrte Gewand als Schandkleid der Bader-Ann, die bald nachdem ihr Mann gestorben war in Verdacht kam, Hexenkünste zu praktizieren. Ein erstes Verhör überstand die Frau bereits 1658, bevor sie
1680 erneut angeklagt wurde schließlich unter der Folter die üblichen Hexendelikte gestand. Sie starb am 8. Juni 1680, zum Tode durch das Schwert begnadigt. Ihr Leichnam wurde verbrannt. Auf die Enthauptung führt man den Erhalt des Schandhemdes zurück. Das Hemd soll nach der Überlieferung von sieben dreizehnjährigen Mädchen gesponnen, gewoben und genäht worden sein.

Ob das Hexenhemd aus Veringenstadt wirklich authentisch ist, lässt sich nicht eindeutig belegen, doch immerhin fand der Prozess in dem selben Rathaus und auf der gleichen Etage statt, in der das Hemd heute museal präsentiert wird, nachdem es in den vergangen Jahren immer wieder auf kulturgeschichtlichen Ausstellungen zum Thema Hexenverfolgung ausgestellt war, zuletzt im Deutschen Historischen Museum in Berlin – es ist nämlich das einzig bekannte Stück seiner Art.

Das Heimatmuseum im Rathaus von Veringenstadt, dem ältesten in Hohenzollern übrigens, ist nach einer längeren Renovierung seit dem Sommer wieder für das Besucherpublikum geöffnet. Hexenhemd und Richtschwert gemahnen an die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte. Daneben erinnert eine interessante und umfängliche archäologische Sammlung an die vieltausendjährige Besiedlungsgeschichte des Laucherttales.
 
 

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