Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Hebels Wanderstock

Hebels Wanderstock
Wanderstock aus dem Besitz von Johann Peter Hebel
Nussholz mit Schnitzereien, L 87 cm

Südbaden, um 1780

Hausen im Wiesental, Hebelstiftung

Ein Geschenk der Familie Menton aus Hausen, die den Stock aus einem Nachlass in Hertingen (Gde. Bad Bellingen) erworben hat.
 
Zum 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel (1760 – 1826) finden 2010 in Baden-Württemberg, der Schweiz und dem Elsass zahlreiche Veranstaltungen statt: Lesungen, Liederabende, Schultheater, Vorträge. Höhepunkt des Hebeljahrs war Anfang Mai das traditionelle Hebelfest in Hausen im Wiesental, bei dem das Hebelhaus nach einer umfassenden Neugestaltung als jüngstes Literaturmuseum im Land eröffnet wurde. Das kleine Fachwerkhaus, in dem der Dichter aufgewachsen ist, dient bereits seit fünfzig Jahren als Hebelmuseum. Durch die Arbeitsstelle für Literarische Museen in Marbach hat der außen unveränderte Bau nun ein völlig neues Innenleben erhalten.

Aus Hebels persönlichem Besitz haben sich nur wenige Gegenstände erhalten. Zwar spricht der Dichter durch sein Werk, aber jedes literarische Museum hütet sorgsam seine Devotionaliensammlung, die ein Dichterleben am Objekt greifbar machen soll. Es handelt sich zumeist um Alltags- und Gebrauchsgegenstände mit verbürgter Provenienz, wie in unserem Fall Hebels Wanderstock, der auf verschlungenen Wegen durch eine Schenkung in den Besitz der Hebelstiftung gekommen ist.

Den Wanderstock benutzte Hebel in den Jahren 1780-83 im dreißig Kilometer von Hausen entfernten Hertingen, wo er als Hauslehrer und Seelsorger arbeitete. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Karlsruhe und Abschluss des Theologiestudiums in Erlangen war Hebel 1780 zurückgekehrt ins Oberland, wie er die Gegend zwischen Basel und dem bis 1803 noch vorderösterreichischen Breisgau nannte. In den folgenden Jahren unternahm Hebel viele Wanderungen im südlichen Schwarzwald. Wandern und Spaziergänge in die Natur zur Erfrischung von Leib und Seele waren zu dieser Zeit noch weitgehend ein Intellektuellensport. Die Fußreise galt vor 1800 im Allgemeinen noch als zweifelhaftes Vergnügen für Handwerksburschen und wohnsitzloses Volk. Wanderwege im heutigen Sinne waren unbekannt. So musste Hebel, als er am Ende seiner Lörracher Zeit (1783-91) mit seinem Freund Friedrich Wilhelm Hitzig den nahen Belchen besteigen wollte, sich eigens einem Führer anvertrauen. Mit dieser "Belchenwallfahrt" feierten die beiden den Berg als "Hochaltar" eines mystisch (bis zur Parodie) überhöhten Freundschaftsbundes, den Hebel in Lörrach mitbegründet hatte und der - bezeichnend für seine damalige Situation - den Namen des Gottes des Nichts und des ewigen Wechsels, Proteus, trug. Der Belchen wurde ihm zu einem Wahrzeichen seiner südbadischen Heimat. Ob allerdings unser Wanderstock die Belchenwallfahrt mitgemacht hat, ist nicht verbürgt.
 
Zu besichtigen ist der Stock im neu eröffneten Hebelhaus jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Vom 1. Juli bis zum 12. September ist das Hebelhaus in Hausen von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Auskünfte unter Tel. Nr. 07622/68730



































<Juni 2010>
 
 

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