Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Hüfinger Hansele, ein Weissnarrenhäs

Hüfinger Hansele
Narrenkleid, 2. Viertel 19. Jahrhundert
Leinengewebe, bemalt
Villingen-Schwenningen, Franziskanermuseum, Inv.Nr. 3660

Das Hüfinger Hansele im Franziskanermuseum zählt zu den ältesten erhaltenen Narrrenkleidern der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Der Hansel ist die Hauptfigur der Hüfinger Fastnacht und dort seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nachweisbar. Verbreitet ist der Hansel oder Narro auf der Baar vor allem als so genannter "Weißnarr". So ist er auch in der Rottweiler und Villinger Fastnacht vertreten. Das Häs oder Kleidle des Weißnarren besteht aus Kittel, Hose und Larvenhaube (Gugel) aus Leinenzeug, farbig verziert mit Figuren und Blumenmotiven. Zu dem bemalten Weißzeug wird in der Regel eine holzgeschnitzte "Glattlarve" (Scheme) getragen. Zum Weißnarrenhäs gehört außerdem ein "Gschell", das sind mehrere, meist auf Brust und Rücken über Kreuz getragene Schellenriemen.

Die Weißnarrenhäser der Baar konservieren ähnlich wie die bäuerliche "Volkstracht" Kleidungsformen des Barock, auch wenn beide erst im späten 19. Jahrhundert kanonisch werden. Im Detail bleibt die Entwicklung der ländlichen Tracht jedoch noch bis ins zweite Viertel des 19. Jahrhundert modischen Einflüssen ausgesetzt - und ebenso das Narrrenkleid, wie unser Beispiel mit seltener Deutlichkeit zeigt. Dass mit dem Häs nicht zuletzt eine Verspottung der modischen Oberschicht verbunden war, belegt das Hüfinger Hansele durch eine Karrikatur auf der Kittelbrust: Hier sind mit dem stutzerhaften “Incroyable“ und der galanten "Merveilleuse“ die beiden Symbolfiguren französischer Modetorheiten um 1800 abgebildet, die auch in Deutschland durch illustrierten Magazine rasch Verbreitung fanden. In Hüfingen spielte hier sicher auch die Nähe des Donaueschinger Hoflebens eine inspirierende Rolle.


Das Narrenkleid des Hüfinger Hansele ist von der Stadt Villingen 1929 mit der volkskundlichen Sammlung des Uhrenfabrikanten Oskar Spiegelhalder (1864-1925) erworben worden, deren Bestände heute das Franziskanermuseum bewahrt. Spiegelhalder selbst hatte das Kostüm 1902 dem Adlerwirt in Hüfingen abgekauft und es einige Zeit später für seine Sammlungsdokumentation fotografieren lassen (s. das hist. s/w-Foto oben).


Literatur  Anita Auer: Faszinierende Kostümkunde, in: Masquera. Die historische Villinger Fasnet, hg. von der Historischen Narrozunft Villingen e.V., Villingen-Schwenningen 2007, Seite 193ff und Anita Auer/Reinhold Krämer Mit den Augen des Sammlers. Die Sammlung Oskar Spiegelhalder, Villingen-Schwenningen 2000

Februar 2008

 
 

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