Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Unterkiefer des Homo heidelbergensis

Unterkiefer des Homo heidelbergensis
Fossile Mandibula des Homo heidelbergensis
Fundort: Mauer, Rhein-Neckar-Kreis

Am 21. Oktober 1907 legte der Taglöhner Daniel Hartmann (1852-1952) bei der Arbeit in einer Sandgrube bei Mauer, einer Gemeinde zehn Kilometer südöstlich von Heidelberg, in 24 Metern Tiefe einen fossilen menschlichen Unterkiefer frei, der sich als einer der wichtigsten archäologischen Funde Europas erwies und bald zu weltweiter Berühmtheit gelangen sollte. Die Bergung des Unterkiefers war das Ergebnis langjähriger systematischer Arbeit. Maßgeblichen Anteil daran hatte der Heidelberger Anthropologe Otto Schoetensack (1850-1912), der seit 1887 regelmäßig die fundträchtige Sandgrube besuchte und dafür sorgte, dass die Arbeiter sorgsam mit den Fossilien umgingen und Funde umgehend nach Heidelberg meldeten. Der Mauerer Fund wurde von Schoetensack 1908 als Homo heidelbergensis in die Wissenschaft eingeführt . Er wird heute zu den Unterarten des Homo erectus gezählt und als "Homo erectus heidelbergensis" bezeichnet oder in die Gruppe des Homo sapiens eingeordnet und als "archaischer Homo sapiens" angesprochen. Er scheint die Stammform aller späteren europäischen Menschen gewesen zu sein und wird datiert auf ca. 600.000 Jahre v. Chr.

Der Unterkiefer lag in einer warmzeitlichen Sandschicht, die vom Neckar in einer Mäanderschlinge abgelagert worden war. Diese Sande, mit einer Mächtigkeit von 14 Metern, sind von bis zu 13 Meter starken Löss und Lösslehm-Schichten aus nachfolgenden Eiszeiten bedeckt. Der Fund war bei seiner Entdeckung vollständig, zwei Zähne lösten sich bei der Präparation und gingen während des Zweiten Weltkriegs verloren. Der Kiefer ist sehr robust und zeigt Verwandtschaft mit dem aus Java und China bekannten Urmenschen. Er gehörte wahrscheinlich zu einem männlichen Individuum, das, vielleicht bei einem Unfall, im Neckar ertrank.

Das Lebensumfeld des Menschen von Mauer lässt sich aus den zahlreichen fossilen Tierknochen aus der Fundschicht erschließen, unter denen sich auch solche von Waldtieren wie Rothirsch, Reh, Wildschwein und Waldelefant, aber auch vom Wildpferd finden. Der Maurer Mensch lebte also in einer offenen Waldlandschaft, wie sie für die warmzeitlichen Klimaphasen der Eiszeit charakteristisch ist.

Noch bis zum 25. November sind die normalerweise im Geologisch-Paläontologischen Museum der Universität Heidelberg verwahrten Überreste des „Urmensch von Mauer“ in einer Ausstellung am Fundort zu sehen [>>]


Literaturtipp Günther A. Wagner, Hermann Rieder, Ludwig Zöller und Erich Mick (Hrsg.): Homo heidelbergensis. Schlüsselfund der Menschheitsgeschichte. Stuttgart, Theiss Verlag, 2007


Oktober 2007
 
 

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