
Doppelflügelpaare vom ehemaligen Hochaltar der Pfarrkirche St. Cornelius und Cyprian in Mengen-Ennetach (Lkr. Sigmaringen) von Jörg Stocker (* um 1461; † nach 1527)
Sigmaringen, Fürstlich-Hohenzollernschen Sammlungen, erworben 1826
Die Altartafeln aus Ennetach sind das einzige durch Inschrift gesicherte Werk der Stocker-Werkstatt, die lange Zeit nicht zur ersten Garde der Ulmer Malerei um 1500 gezählt wurde. Umso wichtiger erschien deshalb die Tatsache, dass der junge Martin Schaffner (* um 1478, † nach 1546) an diesem Altar erstmals durch eine eigne Signatur in Erscheinung tritt und so seine Mitarbeit an dem Retabel bezeugt. Inzwischen hat sich diese Sicht durch die Forschungen von Daniela Gräfin von Pfeil relativiert. Jörg Stocker wird zwar in Ulmer Schriftquellen regelmäßig erwähnt , aber über seine Malerwerkstatt ist bislang nur wenig bekannt. Seit wenigen Wochen nun erstrahlt das Ennetacher Altarwerk seit der Wiedereröffnung des Schlossmuseums in neuem musealem Glanz. Das allein schon könnte motivieren, die Spur dieser lange verkannten Werkstatt aufzunehmen und weiter zu verfolgen.

Das Museum im Sigmaringer Schloss (und die hier bewahrte Sammlung) repräsentiert selbst ein Stück Landesgeschichte. Der in den 1860er Jahren ursprünglich als Bibliothek geplante Bau wurde durch den Ausbau der fürstlichen Kunstsammlungen noch vor der Fertigstellung zum Museum umfunktioniert und durch eine entsprechende künstlerische Ausstattung für den neuen Zweck „nobilitiert“. In den vergangenen Jahren ist das Sigmaringer Schlossmuseum einer aufwendigen Sanierung unterzogen worden. Die Restaurierung des 140 Jahre alten Gebäudes wurde nötig, weil sich Feuchtigkeit im Mauerwerk festgesetzt hatte. "Ziel war es, das Kunstmuseum wieder in seinen Originalzustand zu versetzen" erklärt der Kustos Peter Kempf, schließlich beherbergt das 1867 eröffnete Museum nicht nur wertvolle Werke schwäbischer Maler, Bildhauer und Kunstschmiede des 15. und 16. Jahrhundert, sondern es gilt aufgrund seiner Architektur und Ausstattung selbst als erstrangiges Kunstwerk. Große Teile der bedeutenden Sammlung altdeutscher Gemälde, die das Fürstenhaus im 19. Jahrhundert aufgebaut hatte, musste in den 1920er Jahren aus wirtschaftlichen Zwängen verkauft werden. Der Ennetacher Altar war davon zum Glück nicht betroffen, so dass er heute den Blickfang des Sigmaringer Museums bilden kann.