Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Schublade aus einem Fossiliensammelschrank

Sammlungsschublage
aus der Jurasammlung von Pfarrer Dr. Theodor Engel, angelegt um 1910 in Eislingen, heute im Naturkundemuseum Göppingen

Holzschublade mit Fossilien aus Quarz und Kalk in Kartonschachteln, teilw. auf Karton aufgeklebt, mit handbeschriebenen Beilegzetteln

L. 46, 5 cm, B. 47, 5 cm, H. 3, 5 cm

Rund 1000 „Cidaritenstacheln“ enthält die Schublade 13 aus Schrank 7 der Sammlung Dr. Engel. Unter dem Sammelgattungsnamen Cidaris hatte man im 19. Jahrhunderts die Seeigel des Schwäbischen Juras vereinigt. Die Bezeichnung "Natth. Schichten", mit der die Schublade zudem beschriftet ist, zeigt das Alter der Schichten und die Fossilvergesellschaftung bzw. den Entstehungsraum an. In Nattheim sind die Korallenriffvorkommen des obersten Weißen Juras besonders typisch entwickelt und die Fossilien, da verkieselt, gut erhalten. Neben Korallen, Schwämmen, Austern und Seelilien kommen auch Seeigel vor. Teilweise sind die Gehäuse ganz erhalten, teilweise nur Bruchstücke und isolierte Seeigelstacheln.

Interessanterweise stammen die "Bruchstücke" und Stacheln zum allergrößten Teil nicht aus Nattheim, gehören aber zum "Typ" Nattheim. Fundorte sind Ettelenschieß/Lonsee, Sontheim/Brenz, Schnaitheim, Örlinger Tal (Ulm) und Sigmaringen. In Ettlenschieß war Theodor Engel von 1872 bis 1884 als Pfarrer tätig. Während seiner Dienstzeit in dem kleinen Albdorf hatte der "Geolog und Theolog" – wie er sich selbst bezeichnete genügend Zeit zum Bücher schreiben und Fossilien sammeln. Wohl auch zusammen mit den Dorfkindern hat er vor allem in den Jahren 1873 und 1874 hunderte von Kleinfossilien zusammengetragen. Dies belegen die Datierungen auf den Beilegzetteln.

Pfarrer Engel, 1842 in Eschenbach/Landkreis Göppingen geboren und 1933 in Eislingen verstorben, hat sich im Laufe seines arbeitsreichen Lebens den Beinamen "Albpatriarch" erworben. Er hat wesentlich zur Popularisierung des naturkundlich ausgerichteten Wanderns beigetragen und er gilt – auch heute noch bekannt - als "Vater" der zahlreichen Fossiliensammler in Schwaben. Sein Hauptwerk "Geognostischer Wegweiser durch Württemberg" zählt alle um 1900 bekannte Aufschlüsse und Fossilien auf. Zeitlebens hat Pfarrer Dr. Engel bei zahlreichen Exkursionen Menschen unterschiedlichsten Bildungsstandes zum Sammeln angeregt. Seine eigene Sammlung verkaufte er 1924 an die Stadt Göppingen. Sie umfasst über 100.000 Fossilien, die in 13 Originalschränken untergebracht und seit 1972 in der Alten Badherberge in Göppingen/Jebenhausen ausgestellt sind.

Ab Ostersonntag, dem 8. April, sind nach der Winterpause wieder rund 2500 "Engel"-Fossilien in der Dauerausstellung "200 Millionen Jahre Erdgeschichte" zu sehen.                                                                 

Naturkundemuseum Göppingen
in der Alten Badherberge Jebenhausen
Boller Straße 102
73035 Göppingen

www.museen.goeppingen.de

museen@goeppingen.de

Öffnungszeiten  Mi, Sa, 13-17 Uhr, So, Fei 11-17 Uhr
Eintritt 1.50 € (erm. 1 €), bis 18 Jahre frei


Text und Foto Anton Hegele



April 2007
 
 

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