süddeutsch, Anfang 19. Jahrhundert
Seidenatlas, Leinengewebe; L (Front) 109 cm, L (Rücken) 57 cm, Taille 160 cm, Saumumfang 166 cm, sieben Knöpfe ergänzt. Handschriftlich bez. im Rücken: „Weste des Königs Friderich dem 1 ten von Wirtemberg 1816"
Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen, Schlossmuseum, Inv. Nr. 89/2764
Friedrich, Herzog, Kurfürst und, seit 1806, König von Württemberg, regierte 19 Jahre lang einen Staat, der unter seiner Ägide mit Napoleons Hilfe gewaltig an Umfang zugenommen hatte. Eine stattliche Erscheinung bot auch der Regent selbst: „Einen anschaulichen Eindruck von der Größe und Körperfülle des Königs gibt die von ihm getragene Weste aus olivgrüner Seide. Vom Typus entspricht sie den gerade abschließenden Gilets der Zeit. Mit zwei Lösungen aber hat man besondere Anforderungen berücksichtigt: Um zu erreichen, dass die Weste auch unter dem Bauchansatz gut saß, sind im unteren Abschluss Zugbänder eingearbeitet, die im Rücken zu binden waren. Zudem sind im Rücken zwei Laschen zum Anknöpfen der Hose angenäht; damit wurde einem Hochrutschen der Weste und einem Runterrutschen der culotte vorgebeugt.“ So beschreibt Rainer Y das Stück im Katalog zur Ausstellung
Das Königreich Württemberg, die noch bis zum 4. Februar im Alten Schloss in Stuttgart gezeigt wird. Dort ist das markante Kleidungsstück derzeit zu sehen.
Die Weste wurde 1908 auf dem Dachboden des Schlosses Ellwangen gefunden, das 1803 durch die Säkularisation in den Besitz Friedrichs gelangt war; der handschriftlichen Hinweis auf den ehemaligen Träger dürfte nach dem Tod des beleibten Königs zur Erinnerung angebracht worden sein.
Dezember 2006