Glühlampe (Nernstlampe mit Edison E 27 Gewindesockel)Berlin, Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, 1901
Glas, versch. Metalle
H 15 cm, Dm 7 cm
AEG-Firmenzeichen und „D.R.P.“, Prägung am Sockel „0,5 Amp.“
Mannheim, Landesmuseum für Technik und Arbeit, Inv. Nr. 1980/0014-066
Die Europäische Union schafft die Glühbirne ab. Seit dem vergangenen Jahr greift ein schrittweises Verbot der Lampen, deren Form zum Inbegriff elektrischer Beleuchtung geworden ist. Ab 2012 soll es europaweit nur noch Energiesparlampen zu kaufen geben. Damit steht eine 150 Jahre alte Erfindung vor dem Aus, die Thomas Edison 1879 zur ersten praxistauglichen künstlichen Beleuchtungstechnik entwickelt hatte.
Das elektrische Glühlicht nutzt den Umstand, dass ein elektrischer Strom, der einen sehr dünnen Leiter durchfließt, eine starke Erhitzung des Leiters bewirkt, die bis zum Glühen des Leitermaterials steigen kann. Die ersten Versuche mit elektrischem Glühlicht mit Metallfäden als Leiter lieferten keine befriedigenden Ergebnisse, weil auch Metalle in glühendem Zustand schmelzen und verbrennen oder schnell verspröden, wie das vor Edison eingesetzte Edelmetall Platin. Edison ersetzte den Metalldraht durch einen dünnen Kohlefaden aus Bambusfaser, der nicht nur billiger herzustellen war sondern durch den höheren Eigenwiderstand auch heller leuchtete. Die Verbrennung des Fadens verhinderte Edison durch den Entzug des Luftsauerstoffs, indem er den Faden in einen luftleeren Glaskolben einschloss. Edison konstruierte zugleich den bis heute üblichen Schraubsockel für die Fassung der Glühbirne und verhalf seiner Erfindung durch die Lieferung kompletter elektrischer Beleuchtungsanlagen rasch zum Durchbruch.
Allerdings war die Herstellung von Kohlefadenlampen durch das notwenige Vakuum im Leuchtkolben aufwendig und die Lichtausbeute im Verhältnis zur eingesetzten Energie vergleichsweise gering. Eine technische Alternative zu der Erfindung Edisons wurde bereits 1897 zum Patent angemeldet. Der Physiker Walther Nernst (1864-1941), der auf dem Gebiet der Elektrochemie und Thermodynamik an dem von ihm gegründeten Institut für Physikalische Chemie der Universität Göttingen arbeitete, hatte einen keramischen Glühköper entwickelt, dessen elektrische Leitfähigkeit nicht auf Elektronen sondern auf Ionenwanderung beruhte und kein Vakuum benötigte. Der Nernststift erzeugte ein natürlicheres, dem Tageslicht ähnliches Licht und verbrauchte dabei deutlich weniger Strom als die Edisonlampe. Allerdings setzt die Leitfähigkeit des Nernststiftes erst bei hohen Temperaturen ein, sodass der Glühkörper der Nernstlampe zunächst vorgeheizt werden musste, bei einfachen Ausführungen mit einem Streichholz oder einem Spiritusbrenner, bei komfortableren Modellen mit einem elektrischen Heizkörper. Es dauerte etwa eine halbe Minute, bis der Glühkörper genügend leitfähig war, um die Betriebstemperatur der Lampe von etwa 1600 °C durch den Stromfluss von selbst zu halten.
Nernst verkaufte sein Patent an die AEG. Die Nernstlampe wurde von der AEG in Berlin und von George Westinghouse, einem Gegenspieler von Edison auf dem amerikanischen Strommarkt, in Pittsburgh produziert. Sie wurde mit großem Erfolg auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 präsentiert. Dennoch war der ersten Stromsparlampe kein dauerhafter Erfolg beschieden. Ab etwa 1910 wurde sie durch die billiger zu produzierende Metallfadenlampe mit Schutzgasfüllung abgelöst, die sich bis heute am Markt behauptet hat, weil sie trotz hohem Stromverbrauch für den Endverbraucher immer noch "günstiges Licht" zu bieten hat. Den Preis für diese bequeme Technik zahlen wir freilich alle.
Das technische Prinzip des von Walther Nernst entwickelten Glühkörpers findet heute in der Brennstoffzellentechnologie und in der Katalysatorentechnik (Lambdasonde) Verwendung. Für seine thermochemischen Arbeiten wurde Nernst 1921 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

http://www.nernst.de/lamp/mb221/nernstlampe_mb221.htm<April 2010>