Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg

 

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Richard Hamilton: Just what is it ...

© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Richard Hamilton Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?
London, 1956
Collage, H 26 cm, B 25 cm
Kunsthalle Tübingen, Sammlung Zundel

Eine Inkunabel der Pop-Art ist die Collage des britischen Künstlers Richard Hamilton ohne Zweifel. Ihr ironischer Titel, der offenbar einen Werbeslogan aufnimmt, ist wie die einzelnen Bildelemente der Collage das Versatzstück einer Konsumwelt, die sich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA entwickelt hat und prägend für den Lebensstil der Middle class im Westen geworden ist. In der Ignoranz gegenüber den Trivialitäten des Alltags sah eine neue Künstlergeneration in den 1950er Jahren ein entscheidendes Defizit des etablierten Kunstbetriebs.

In London hatte sich 1951 unter den Mitgliedern des Institute of Contemporary Arts eine "Independent Group" aus jungen Architekten, Künstlern und Kritikern gebildet, die den kulturellen Kontext der modernen Konsumgesellschaft zu ihrem Thema machte. Zu den Initiatoren des Zusammenschlusses zählte auch Richard Hamilton (geb. 1922). Die künstlerische Produktion dieser Gruppe schöpfte aus dem Reservoir populärer Bildmedien und propagierte eine neue Ästhetik des Trivialen. Eine Reihe von Ausstellungen sollte diesem Ansatz Geltung verschaffen.

Die berühmteste fand im August 1956 unter dem Titel "This Is Tomorrow" statt. Richard Hamilton hat seine Collage für diese Ausstellung geschaffen; sie diente zugleich als Titelbild für das Werbematerial zu der Veranstaltung. Aus dem Protest gegen den Mainstream entwickelte sich in den Sechzigerjahren selbst eine der bekanntesten und mächtigsten Kunstströmungen des 20. Jahrhundert, die Pop-Art. Vor allem die amerikanischen Vertreter der Pop-Art, die Rauschenberg, Lichtenstein, Oldenburg, Warhol, zählen heute bekanntlich zu den festen Größen jeder Kunstsammlung der Moderne, die auf sich hält.

Richard Hamilton hat die Popularität seiner amerikanischen Kollegen nicht erreicht. Aber seine wegweisende Collage hat sich ihren festen Platz in der Kunstgeschichte gesichert. Sie ist sicherlich auch das bekannteste Werk aus der Sammlung Zundel in der Tübinger Kunsthalle. Ihren Weg dorthin hat die Arbeit im Anschluss an eine Hamilton-Ausstellung gefunden, die Götz Adriani 1974 in Tübingen gezeigt hat. Derzeit ist Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing? in Karlsruhe zu sehen, erneut in einer von Götz Adriani kuratierten Ausstellung, erneut eingesetzt als Titel für das Werbematerial: 100 Jahre Kunst der Moderne. Just what is it... im Museum für Neue Kunst im ZKM Karlsruhe - noch bis 11. April 2010.

<Februar 2010>
 
 

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