Gedenkteller "Julfest 1941"
Porzellanmanufaktur Allach-München GmbH
Porzellan mit Umdruckdekor
Dm 27 cm
Rückseite beschr.: "JULGABE/DES SS-WIRTSCHAFTS-/VERWALTUNGSHAUPTAMTES/SS
Schloss Waldenbuch, Museum der Alltagskultur, Inv.Nr. VK 1992/134
Die Ideologie des Nationalsozialismus hantierte bei dem Versuch, alle Lebensbereiche zu durchdringen, mit Chiffren einer urgermanischen, nordischen Weltanschauung. So wurde "arteigenes Brauchtum" etwa propagiert, um den von christlichen Traditionen geprägten Jahreslauf neu zu besetzen. Vor allem SS-Organisationen leisteten auf diesem Gebiet ideologischen Vorschub. Es galt, christliche Feste zu "germanisieren" und beispielsweise Weihnachten durch das "altgermanische" Julfest zur Wintersonnenwende (22. Dezember) zu verdrängen. Schulungsunterlagen zur Inszenierung solcher Brauchtumsfeste wurden seit Mitte der Dreißigerjahre über die zahlreichen Parteiorganisationen verbreitet.
Zur einschlägigen Brauchtumspropaganda zählt auch die hier vorgestellte "Julgabe" des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes. Das WVHA verwaltete die SS-eigenen Industrien, Gewerbe und Betriebe in den Konzentrationslagern und führte diese zu eigenen Konzernen zusammen. Der an sich wenig originelle Gedenkteller zum "Julfest 1941" setzt auf ein seit dem 19. Jahrhundert beliebtes Standarderzeugnis von Porzellanmanufakturen. Der Betrieb, in dem diese Gedenkteller produziert wurden, die Porzellanmanufaktur Allach-München GmbH, war Teil des Firmenimperiums der SS. Die kunstgewerbliche Produktion der Manufaktur sollte ausdrücklich die "Erziehung zum nationalsozialistischen Menschen unterstützen". Nach der Übernahme des Betriebes durch die SS im Jahre 1939 expandierte das Unternehmen rasch. Bereits 1940 wurde ein Teil der Produktion auf das Gelände des SS-Übungs- und Ausbildungslagers beim Konzentrationslager Dachau verlegt. Bald wurde die gesamte Porzellanherstellung dorthin verlagert, weil das KZ mit seinen Häftlingen billige Arbeitskräfte zur Verfügung stellte. Der von Heinrich Himmler zum Julfest an Getreue verschenkte "Julleuchter" wurde ebenfalls in Dachau hergestellt.
Literatur Gabriele Huber: Die Porzellan-Manufaktur Allach-München GmbH. Eine "Wirtschaftsunternehmung" der SS zum Schutz der "deutschen Seele". Marburg 1992, Seite 137f.
<Dezember 2009>