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Digitale Fotografie

Irene Ziehe / Ulrich Nägele (Hgg.): Digitale Fotografie. Kulturelle Praxen eines neuen Mediums. Beiträge der 4. Tagung der Arbeitsgruppe Fotografie in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde vom 19. bis 21. September 2008 in Marburg, Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2009 (Visuelle Kultur. Studien und Materialien, Bd. 4) 169 Seiten mit 31 s/w-Abb., brosch., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2187-5

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Innerhalb weniger Jahre hat die digitale Fotografie die herkömmlichen Analogverfahren zur Bildgewinnung abgelöst. Doch nicht nur dies; völlig neue Umgangsformen mit Fotografie haben sich entwickelt, die kaum mehr zu übersehen oder einzugrenzen sind; man denke etwa an die Verbreitung des Mobiltelefons, das jederzeit als Kamera benutzt werden kann. Allein die Zahl der Produzenten und Konsumenten von fotografischen Bildern bringt das kulturwissenschaftliche Forschungsfeld “Fotografie” in Nöte; die schiere Größe und die Umsatzgeschwindigkeit des neuen Leitmediums Internet tut ein Übriges, um jeden Versuch, Übersicht zu schaffen, schon im Ansatz zum Scheitern zu bringen. Es ist dieser Befund, der auf die Beiträge der 4. Tagung der Kommission Fotografie der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv) fast schon lähmend wirkt. Die Trauerarbeit über den Verlust der Fotografie im handgreiflichen Sinn als historisches Original und primäre Quelle scheint in manchem Fall (noch) eine perspektivische Neuorientierung zu überlagern. Doch es hilft alles nichts, mit dem Archivkarton wird man der digitalen Fotografie nicht mehr beikommen können, auch wenn das Trägermedium Papier nach wie vor in Gebrauch bleibt. Es sieht so aus, als hätten sich nach dem Telefon nun auch optische Kommunikationsformate etabliert, die dem Netz etablierter Überlieferungsverfahren durch die Maschen gehen. Welche Konsequenzen dies für die historische Forschung hat, scheint im Moment jedenfalls nicht absehbar.