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Schießer, Kratzer, Hudelwisch

Karlheinz Buchmüller: Schießer, Kratzer, Hudelwisch. Das Backhaus im Oberschwäbischen Bauernhof. Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft im Jan Thorbecke Verlag 2010, 104 Seiten, geb., zahlr. Farb- und Schwarzweißabb., 19,80 Euro, ISBN: 978-3-88294-417-4

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Backhäuser gehörten in Oberschwaben zum festen Bild der Dörfer, Weiler und Gehöfte. Die meisten dieser Kleinbauten sind längst außer Funktion, immer mehr davon werden in den letzten Jahren abgebrochen. Karlheinz Buchmüller hat sich auf den Weg gemacht, die letzten noch stehenden Bauten zu sichten und zu dokumentieren. Sie sind Relikte einer bäuerlich-ländlichen Produktions- und Lebensweise, deren verwischte Spuren gerade noch zu greifen sind. “Dieses Buch begleitet und illustriert daher einen Abschied”, schreibt der passionierte Heimat- und Hausforscher, einst Mitbegründer des Bauernhausmuseums in Wolfegg und langjähriger Vorstand von dessen Trägerverein. Ausgehend vom augenscheinlichen Befund, begann Buchmüller zu graben, recherchierte in Archiven, befragte Zeitzeugen. Herausgekommen ist ein reich illustriertes und sorgfältig bebildertes Buch, das ganz dem Lob des Unscheinbaren gewidmet ist. Der Autor entfaltet seinen Gegenstand nach ganz unterschiedlichen Seiten und spannt den Bogen von der baugeschichtlichen Skizze bis zur Mitteilung von Brotbackrezepten. Am Ende hat der Leser (und Betrachter) an einer kleinen Exkursion in eine Lebenswelt teilgenommen, die nur noch in Spuren fassbar ist. Und Buchmüller kann mit seinen sympathischen Bilderbuch überzeugend zeigen: Das wirklich Bedeutende ist mit Kriterien, nach denen das Prädikat aktuell und wichtig vergeben wird, ohne Verluste nicht zu fassen.