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Landelin Ohnmacht

Mechtild Ohnmacht: Landelin Ohnmacht. Lindenberg im Allgäu: Verlag Josef Fink 2012, 239 Seiten, 212 Abbildungen, 24,- Euro, ISBN 978-3-89870-678-0

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Zu seiner Zeit war Landelin Ohnmacht, der 1760 geborene Bauernsohn aus Dunningen, ein berühmter Mann. Man kannte und schätzte den Bildhauer nicht nur in der Reichsstadt Rottweil, zu deren Gebiet sein Heimatdorf gehörte. Man sprach von ihm und seinen Werken auch in anderen Städten, in denen er während seiner Lehr- und  Wanderjahre tätig war, so in Mannheim und Basel, in München und Dresden, in Hamburg und Lübeck und besonders in Frankfurt. Ohnmacht schuf in Deutschland, der Schweiz, in Frankreich, Belgien und Dänemark viele monumentale Denkmale und virtuos ausgeführte Porträts im Kleinformat u. a. auch von Johann Peter Hebel und Friedrich Schiller. Auftraggeber waren unter anderen bayerische und badische Fürstenhäuser in München und Karlsruhe, aber auch Privatpersonen aus dem gehobenen Bürgertum, das nach der Französischen Revolution an Selbstbewusstsein gewann, und die bisherigen Auftraggeber ablöste. In Frankfurt wurde Ohnmacht zum Porträtisten der Reichen und Schönen. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Büste der Bankiersgattin Susette Gontard, der Geliebten Friedrich Hölderlins, der im Hause Gontard als Erzieher der Kinder tätig war. Auf einer Italienreise lernte der schwäbische Künstler auch den berühmten Antonio Canova kennen. Als Ohnmacht 1801 nach Straßburg berufen wurde, schuf er dort und im gesamten Elsass bedeutende Werke bekannter Persönlichkeiten. In seiner Heimat aber geriet der 1834 in Straßburg verstorbene Bildhauer bald in Vergessenheit. Erst im Jahre 1911 verfasste Ignaz Rohr eine Studie über sein künstlerisches Werk. Aus Anlass des 250. Geburtstags im Jahre 2010 entschloss sich die Gemeinde Dunningen zusammen mit dem Landkreis Rottweil eine Werkmonografie in Auftrag zu geben. Dafür konnte die Kunsthistorikerin Mechtild Ohnmacht aus Karlsruhe gewonnen werden, die nach mehr als zweijähriger Arbeit die neue Monografie zum Werk des klassizistischen Bildhauers vorgelegt hat.
Julius Wilbs