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In die Jahre gekommen?

Monika Kania-Schütz (Hg.): In die Jahre gekommen? Chancen und Potentiale kulturhistorischer Museen. Beiträge der 18. Tagung der Arbeitsgruppe Sachkulturforschung im Museum in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde vom 28. bis 30. Mai 2008 im Freilichtmuseum Glentleiten, Münster/New York/München/Berlin: Waxmann 2009, 176 Seiten mit zahlr. Abb., brosch., 29,90 Euro, ISBN 978-3-8309-2187-5

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Die Arbeitsgruppe für Sachkulturforschung und Museum ist eine der größten und aktivsten Kommissionen in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V. (dgv). Ihre Gründung 1970 stand im Kontext der kontroversen Diskussionen um das Selbstverständnis und die Neuorientierung des Faches Volkskunde, die auch den Arbeitsansatz kulturhistorischer Museen in Frage stellte. Der Titel der 18. Tagung der AG: “In die Jahre gekommen?” ist deshalb durchaus als Spiegelfrage zu verstehen, auch wenn dies (leider) nicht explizit zur Sprache kommt. Tatsächlich haben die Arbeitsgruppe und die vor ihr diskutierten Ansätze (etwa zur Alltagskultur) starken Einfluss auf die Sammelstrategien und Präsentationsformen kulturgeschichtlicher Museen nehmen können, und der Museumsboom der 1980er Jahre hat die Realisierung neuer Konzepte auf breiter Front möglich gemacht. Mit der Erfahrung im Rücken, dass jede Form des Zeitgemäßen einem eminenten Alterungsprozess unterliegt, schärft sich der Blick für die Vielschichtigkeit der materiellen Überlieferung der Museen. Die Frage, in welcher Art und Weise die historische Komplexität der Bestände mit den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Forderungen an die Museumsarbeit verbinden lassen, stellt sich im Abstand regelmäßig aufs neue. Besucherrückgang und finanzielle Engpässe befeuern den Prozess der kritischen Selbstbefragung. Die Beiträge in dem Tagungsband formulieren Strategien verschiedener Museumstypen im Umgang mit dem museal verwalteten Kulturerbe auf und diskutieren Perspektiven und Visionen, wobei die Suche nach neuen Themenstellungen und Vermittlungskonzepten, aber auch Konsequenzen für die Sammlungspolitik derzeit durch die Frage im Fluss gehalten wird, wer die Deutungshoheit über die verhandelten Inhalte besitzt oder in Anspruch nehmen kann. Insgesamt liefert der Tagungsband einen guten Überblick über den aktuellen Stand volkskundlicher Museumsarbeit. Der Innovationsdruck weckt durchaus kreative Potentiale, allerdings kann der Ideenschaulauf nur dann in erlebbare Museumspraxis umgespurt werden, so ein Fazit, wenn auch die erforderlichen finanziellen und personellen Ressourcen zur Verfügung stehen.