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Alte Heimat, Neue Welt

Peter Gürth: Alte Heimat, Neue Welt. Nordamerika-Auswanderer aus Baden und Württemberg. Tübingen: Silberburg Verlag 2012, 208 Seiten, 106 Abbildungen, geb., 22,90 Euro, ISBN 978-3-8425-1200-9

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Migration ist ein Thema mit vielen Facetten. Unterdrückung und Verfolgung aus politischen oder religiösen Motiven, die Kehrseite der Zivilisation, hat zu allen Zeiten Menschen in die Emigration getrieben. Doch die Hauptursache für Migration ist bis heute die Not der Armut. Die Hoffnung auf ein besseres Leben hat im 18. und 19. Jahrhundert Europäer aus allen Ländern in die Neue Welt geführt, auch aus dem deutschen Sprachraum. Obwohl insgesamt etwa acht Millionen Deutsche auf dem nordamerikanischen Kontinent eine neue Heimat gefunden haben, ist in den USA und Kanada die Bevölkerung deutscher Herkunft  kaum noch sichtbar, nachdem zwei Weltkriege die Assimilation beschleunigt haben. Das Buch von Peter Gürth ist deshalb vor allem eine Reise in die Vergangenheit. Auf das Thema gestoßen ist der Autor auf eigenen Reisen durch die USA und Kanada – seine Söhne leben dort. Überrascht, an den unterschiedlichsten Orten deutschstämmigen Amerikanern zu begegnen, hat sich Gürth einen Überblick über das Phänomen verschafft. Die Einschränkung auf Baden und Württemberg ergab sich pragmatisch durch den Wohnsitz des Autors. Im Rückblick auf die Geschichte der deutschen Auswanderung nach Amerika seit dem 17. Jahrhundert zeichnet Gürth ein lebendiges Bild menschlicher Schicksale. Auf knapp 200 gut bebilderten Seiten gelingt ihm dabei nicht nur eine kurzweilige Tour d’ Horizont, sondern er vermag dem Leser auch zu vermitteln, dass das Thema sein Interesse verdient. Dies ist nicht zuletzt einer sehr geschickten Auswahl konkreter Lebenszeugnisse zu verdanken, die sich nicht auf die “Prominenz” unter den Emigranten von Astor bis Einstein beschränkt, sondern sonst unbekannte Menschen namhaft macht, sei es mittels erhaltener Berichte und Briefe oder auch durch die Familiengeschichte zufälliger Reisebekanntschaften des Autors. Aus heutiger Sicht erscheint die Geschichte der deutschen Einwanderer als Geschichte einer erfolgreichen Integration. Überraschend ist das nicht. Denn die Integration von Mitteleuropäern auf dem nordamerikanischen Kontinent war von je her wohl das kleinste Problem.