Zurück

Repräsentation im Wandel

Wolfgang Wiese / Katrin Rössler (Hgg.): Repräsentation im Wandel. Nutzung südwestdeutscher Schlösser im 19. Jahrhundert. Ostfildern: Jan Thorbecke Verlag 2008 (Oberrheinische Studien, Band 26), 296 Seiten mit 104, z. T. farbigen Abbildungen, gebunden, 34,– Euro, ISBN 978-3-7995-7826

Image

Die “Profanierung” der Schlösser zu Denkmälern der Baukunst und die Musealisierung ihrer verschwenderischen Ausstattung sind eine unmittelbare Folge der Revolution in Frankreich, in deren Anfangsphase es zur demonstrativen Zerstörung von Adelbesitztümern gekommen war. Auch die Fürstenhöfe und Residenzen des deutschen Südwesten waren vor 200 Jahren einem tief greifenden Wandel unterworfen: Objekte absolutistischer Repräsentation generierten zu Objekten staatlicher bzw. öffentlicher Prestigekultur mit “herrschaftlicher Vergangenheit”. Die Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein und die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg haben im Zusammenhang mit der vor kurzem abgeschlossenen Restaurierung des Mannheimer Schlosses eine Tagung zu diesem wenig erforschten Thema aus der Epoche zwischen Reichsdeputationshauptschluss 1803 und dem Ende der Monarchien 1918 veranstaltet, deren Beitrage der vorliegende Band publiziert. Hinter der gewandelten äußerlichen Schlossfunktion stehen weniger sichtbare, aber gravierende Veränderungen: das Auseinandertreten von Dynastie und Staat, die Herausbildung einer neuen Hofkultur, die Eroberung der “Denkmäler” durch die bürgerlich-industrielle Gesellschaft. Der Band ist zugleich ein aktueller Beitrag zur Frage des Eigentums von Kunstobjekten und ein wichtiger Baustein zur Geschichte deutscher Schlösser des 19. Jahrhunderts.