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Zeppelin-Ereignisse

Saskia Frank: Zeppelin-Ereignisse. Technikkatastrophen im medialen Prozess. Marburg: Tectum Verlag 2008, 220 Seiten, Paperback, 24,90 Euro, ISBN 978-3-8288-9836-3

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Das Zeitalter der Zeppeline beginnt mit einem Unglück und endet mit einer Katastrophe. Im August 1908 geht das Luftschiff LZ 4 nach einer Notlandung bei Stuttgart in Flammen auf. Der populäre Graf mit der fixen Idee wäre ruiniert gewesen, wenn ihm damals nicht eine Spendenaktion innerhalb weniger Wochen die unglaubliche Summe von 6,5 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hätte. Und dann, nach 20 Jahren, das Ende einer Ära: Am 6. Mai 1937 fing das auf den Namen „Hindenburg“ getaufte Luftschiff Zeppelin LZ 129 bei der Landung im amerikanischen Lakehurst Feuer, verbrannte binnen Sekunden, und riss 35 Menschen in den Tod. Die Bilder prägen als visuelles Fanal das kollektive Gedächtnis bis heute. Mit Zeppelinen assoziieren wir nach wie vor zwei Seiten des technischen Fortschritts: Faszination und Katastrophe. Saskia Frank zeigt, wie der mediale Umgang mit der Entwicklung der Zeppeline Sinnstiftungen abseits technischer Fakten produzierte. Zeppelin-Flüge wurden zu Himmelfahrten zwischen Diesseits und Jenseits. Luftschiffe wurden im Luftkrieg 1914-1918 aber auch zu Vorboten des Unheils, im Nationalsozialismus zu Vehikeln der Massensuggestion, bei Unglücksfällen wie in Lakehurst zum unentrinnbaren Fanal. Welche neuen symbolischen Ebenen hierdurch eröffnet werden und was dies über den Umgang der Menschen mit technischen Katastrophen aussagt, ist nur eine der Fragen, mit der sich das Buch befasst. Frank zeigt in ihrer Marburger Dissertation  wie sich von jedem Unglück ein fester Bilderkanon durchsetzt, der das eigentliche Ereignis überdauert und die technische Katastrophe zu einem kulturellen Muster macht.