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Anschauungssache Religion

Susanne Claussen: Anschauungssache Religion. Zur musealen Repräsentation religiöser Artefakte. Bielefeld: Transcript 2009, 292 Seiten, kart., 23 s/w- Abb., 29,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1283-7

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In Kunstmuseen oder kulturgeschichtlichen und ethnologischen Museen zählen Kult- und Ritualgegenstände zum festen Bestandteil der Sammlungen. Artefakte mit religiöser Bedeutung zu präsentieren, stellt Museen vor besondere Herausforderungen. Die Darstellung von Religion und Religiosität soll einerseits wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, andererseits gesellschaftliche Verantwortung und Respekt vor Glaubenszeugnissen bewahren. Gibt es hierfür eine angemessene Form? Wirkt die Musealisierung kultischer Objekten in Richtung Profanierung oder findet im Gegenteil eine Resakralisierung statt? Susanne Claußen verfolgt diese Fragen anhand konkreter Fallanalysen am Beispiel von Kloster Ansbach, einem Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, des Museums Schnütgen in Köln und der beiden Völkerkundemuseen in Bremen und Stuttgart. Sie analysiert die Dauerausstellungen der genannten Häuser und stellt dabei Überlegungen zu vier Grenzbegriffen an der Schnittstelle Religion/Museum an: zur Aura der Dinge, zum Museum als rituellem Ort, zum Museum als gesellschaftlich integrierendem Ort und zum Mythos im Museum. Die Untersuchung nutzt museologische, religionswissenschaftliche sowie semiotische Ansätze und mündet in grundsätzliche Überlegungen zur Darstellbarkeit religiöser Inhalte im Museum, wobei die Autorin insbesondere die Vermittlungsfunktion der Museen im Auge hat, der angesichts schwindender Kenntnisse und Eigenerfahrung auf Seiten des Besucherpublikums wachende Bedeutung bei der “Anschauungssache Religion” zukommt. Ein Manko sind die wenigen, meist kleinformatigen Abbildungen in dem Band, die dem Leser auf der diskursiven Durststrecke eher unerquicklich scheinen. Der Untersuchung liegt die kulturwissenschaftliche Dissertation der Autorin an der Universität Tübingen zugrunde.