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G. B. Tiepolo: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

Madrid, um 1762/70 | Öl auf Leinwand; H 55,5 cm; B 41,5 cm | Staatsgalerie Stuttgart, Inv. Nr. 3303

Das kleinformatige Gemälde zählt zu den ungewöhnlichsten Werken des venezianischen Malers Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770). Es handelt sich um eines von vier überlieferten Bildern zum gleichen Thema, die Tiepolo am Ende seines Lebens in Madrid anfertigte, wo er seit 1762 zusammen mit seinen Söhnen lebte. Die Zeit der monumentalen Freskenhimmel, die Tiepolo in halb Europa berühmt gemacht hatten, neigte sich dem Ende zu, und nach dem Abschluss der letzten Arbeiten für den spanischen Hof musste Tiepolo um jeden neuen Auftrag kämpfen. Die Ruhe auf der Flucht ist wahrscheinlich ohne konkreten Auftraggeber entstanden und erscheint nicht nur durch ihr kompaktes Format als intimes Meisterwerk, das nicht mehr wie die triumphalen Fresken den Ruhm des absolutistischen Herrschers verkündet, sondern den sublimen Geschmack des Kunstkenners anspricht. Die heilige Familie wirkt fast verloren in Tiepolos karger Gebirgslandschaft, die zum eigentlichen Stimmungsträger wird. Das 1977 mit Lotto-Mitteln erworbene Bild ist das bekannteste Werk in der umfangreichen Tiepolo-Sammlung der Stuttgarter Staatsgalerie und darüber hinaus seit langem ein Lieblingsbild der Galeriebesucher. Die “Ruhe auf der Flucht nach Ägypten” kann noch bis Anfang Februar in der Stuttgarter Tiepolo-Ausstellung in Verbindung mit dem spanischen Spätwerk des Künstlers betrachtet werden.

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