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Karikatur aus der Klosterschule Alpirsbach

Zweite Hälfte 16. Jahrhundert | Tusche auf Papier | Klostermuseum Alpirsbach

Auch in Württemberg hatte die Reformation tiefgreifende Folgen für die Organisation des Bildungswesens. Die schulische Erziehung wurde Staatsaufgabe. Herzog Christoph (1515-1568) richtete 1556 nach sächsischem Vorbild in ehemaligen Mönchskonventen Klosterschulen ein, darunter auch in Alpirsbach. Die klösterliche “Zucht” sollte auch für die evangelischen Schüler gelten, nicht nur räumlich, sondern vor allem in der geregelten Form des Tagesablaufs. Die Klosterschulen dienten zur Vorbereitung auf den Besuch der Landesuniversität in Tübingen. Von dort kamen auch die jungen Theologen, die als Präzeptoren neben den Prälaten den Zöglingen Unterricht erteilten. Die bekanntesten Klosterschulen in Württemberg sind die bis heute bestehenden evangelischen Seminare in Maulbronn und Blaubeuren. Die Alpirsbacher Schule hingegen überlebte das 16. Jahrhundert nicht. Dafür bietet Alpirsbach heute als einziger Schulort Einblicke in das Alltagsleben der Eleven in dieser Frühzeit. Grund ist ein Zufallsfund bei Sanierungsarbeiten im Kloster am Ende der 1950er Jahre, der allerdings erst Jahrzehnte später in seiner singulären Bedeutung erfasst wurde und heute im Klostermuseum besichtigt werden kann. Neben Kleidungsstücken, Schuhwerk und Schülerutensilien wurden in den Zwischendecken der ehemaligen Schlafsäle auch Papiere mit Kalendern, Merksprüchen und Karikaturen gefunden, wie zum Beispiel hier die mit wenigen Strichen festgehaltene Figur einer jungen Lehrkraft im Schultermäntelchen.

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