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Maschine von Bohnenberger

Tübingen, um 1815 | Holz, Messing, Elfenbein | Stadtmuseum Tübingen

Im Jahr 2004 wurde in der Physiksammlung des Kepler‐Gymnasiums Tübingen ein kardanisch gelagerter Kreisel aufgefunden, den der Tübinger Universitätsmechanikus J.W.G. Buzengeiger (1778‐1836) um das Jahr 1815 gebaut hat. Der Erfinder des kleinen Demonstrationsinstruments, der aus Simmozheim stammende Theologe und Naturforscher J.G.F. Bohnenberger (1765‐1831), nannte das Gerät in seiner 1817 veröffentlichten systematischen Beschreibung einfach “Maschine”. J.G.F. Bohnenberger war zu dieser Zeit Professor für Mathematik, Physik und Astronomie an der Universität Tübingen und wissenschaftlicher Leiter der Landesvermessung im jungen Königreich Württemberg. Bohnenbergers Maschine ist ein rasch rotierender, symmetrischer Kreisel in einem kardanischen Lager mit dessen Hilfe die Erdrotation visualisiert werden kann. Mithilfe einer Seidenschnur in Rotation versetzt, veranschaulicht die Schwungmaschine die Schrägstellung der Erdachse sowie deren bereits im Altertum beobachtete Schlingerbewegung (die sog. Präzession). Heute gebräuchliche Navigationsinstrumente wie der Kreiselkompass, der Kurskreisel und der künstliche Horizont basieren auf dem von Bohnenbergers Maschine demonstrierten Prinzip. Sie ist ein Meilenstein zur physikalisch-technischen Orientierung im Raum.

http://bohnenberger.ifp.uni-stuttgart.de/ausstellung/

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