Zurück

Michel Erhard: Kreuzigung

Ulm 1480/90, Fassung aus dem 17. Jh. | H 200 cm | Rottweil, Dominikanermuseum

Die Kreuzigungsgruppe aus dem ehemaligen Benediktinerinnenkloster Urspring bei Schelklingen im Alb-Donau-Kreis ist Teil der Sammlung Dursch, die im Dominikanermuseum Rottweil gezeigt wird. Die Sammlung des von 1851-1881 in Rottweil tätigen Dekans Dr. Martin Dursch (1800-1881) wurde 1851 von König Wilhelm I. von Württemberg erworben und der Stadt Rottweil geschenkt. Sie ist die bedeutendste Sammlung gotischer Sakralkunst neben der des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart. Die aus Lindenholz geschnitzte Figurengruppe gilt als Werk des Ulmer Bildhauers Michel Ehrhard und wird auf die Zeit zwischen 1480 und 1490 datiert. Christus in der Mitte wird flankiert von den beiden mit Christus zugleich gekreuzigten Schächern, deren Beine zerschlagen sind. Zu Füßen des Kreuzes ein Mann in jüdischer Tracht links (Nikodemus ?) und ein Soldat in Rüstung rechts (Longinus ?). Die Szene scheint eine Illustration des Johannesevangeliums zu sein: “Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht; sondern einer der Soldaten stieß mit einer Lanze in seine Seite, und sogleich kam Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit auch ihr glaubt.” (Joh 19, 33-35). Der auffällige Zeigegestus der linken Person – sie deutet mit dem Finger auf ihr linkes offenes Auge, während das rechte geschlossen bleibt – könnte die Zeugenschaft verbildlichen. Die legendäre Gestalt des Nikodemus galt im späten Mittelalter als Urheber der ersten Darstellung des gekreuzigten Jesus aus Holz, dem sog. Volto Sancto in Lucca.

Image