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Napoleon Bonaparte auf der Vendômesäule

Anton Sohn: Kaiser Napoleon Bonaparte | Modelliert um 1835 | Ausformung und Bemalung Andreas Sohn (1847-1920) Zizenhausen, um 1910 | Terrakotta H 21,5 cm | Stockach, Stadtmuseum Altes Forstamt, Inv. Nr. 243-436

In den Jahren 1806 bis 1810 ließ Napoleon Bonaparte auf der Place Vendôme in Paris eine monumentale Siegessäule nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom errichten, gegossen aus der Bronze russischer und österreichischer Kanonen, die aus Napoleons Sieg in der Schlacht bei Austerlitz 1805 stammten. Die “Colonne de la Grande Armée” wurde von einer Bronzeplastik des Kaisers im antiken Imperatorenkostüm bekrönt, die bereits 1814 wieder entfernt und 1818 eingeschmolzen wurde. “Man hat außer Frankreich keinen Begriff davon, wie sehr noch das französische Volk an Napoleon hängt. … ‘Napoleon’ ist für die Franzosen ein Zauberwort, das sie elektrisiert und betäubt. Es schlafen tausend Kanonen in diesem Namen, ebenso wie in der Säule des Vendômeplatzes, und die Tuilerien werden zittern, wenn einmal diese Kanonen erwachen. … Sein Bild sieht man überall, in Kupferstich und Gips, in Metall und Holz und in allen Situationen. Auf allen Boulevards und Carrefours stehen Redner, die ihn preisen, den Mann, Volkssänger, die seine Taten besingen.” Als Heinrich Heine dies Anfang 1832 in seinen Berichten über “Französische Zustände” schrieb, war der Platz auf der Säule noch leer, doch der Bildhauer Charles Émile Seurre (1798-1858) arbeitete schon an einer neuen Statue, die Bonaparte als “petit caporal” darstellte und bald darauf den verwaisten Platz bezog. Sie zeigt Napoleon Bonaparte in der Uniform eines Oberst der Chasseurs à cheval de la garde mit der berühmten “Hand in der Weste” und wurde in Deutschland durch eine Radierung von Friedrich Napoleon Campe (1808–1855) bekannt, einem Neffen des Hamburger Verlegers Heinrich Heines. Nach dieser Radierung hat Anton Sohn (1769-1840) am Bodensee eine kleine Tonskulptur geschaffen, die der populären Nachruhm Napoleons vermarkten helfen sollte. Sohn hatte mehrere Napoleon-Figuren im Angebot, die auf ein entsprechend lebhaftes Interesse seiner Kundschaft schließen lassen.

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