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Scheffelsäcke des Papiermachers Johannes Lang

Laufen an der Eyach 1834 bzw. Kaiseringen 1860 | Sackleinen, bemalt | Heimatstube Stetten am Kalten Markt-Frohnstetten

Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde in ländlichen Haushaltungen Brot aus dem Getreide vom eigenen Ackers gebacken. Das nach der Ernte auf dem Dachboden (Fruchtbühne) in offenen Schütten gelagerte Getreide wurde vom Müller alle paar Wochen sackweise abgeholt und das daraus gewonnene Mehl samt der angefallenden Spelzen wieder von Haus zu Haus ausgeliefert. Die Fruchtsäcke kamen also insgesamt dreimal zum Einsatz: Vom Dreschplatz zur Fruchtbühne, von dort zur Mühle und wieder zurück. Deshalb waren die Säcke besonders stabil und mit dem Namen des Eigners beschriftet. Vor der Einführung des metrischen Systems mit der Masseeinheit Kilogramm (bzw. Zentner und Doppeltzentner) war auf der Schwäbischen Alb “Scheffel” das traditionelle Hohlmaß für Schüttgut. Die älteren Scheffelsäcke sind deutlich größer als die jüngeren Exemplare, deren Größe sich am Gewicht des Getreides orientiert. Ein mit Weizen gefüllter Scheffelsack würde etwa 134 Kilogramm wiegen und wäre damit kaum mehr zu bewegen. Allerdings wurde im 19. Jahrhundert am Heuberg überwiegend Dinkel als Winter- und Brotfrucht angebaut, der aus Haltbarkeitsgründen in den Spelzen eingelagert wurde und deshalb deutlich leichter war.

Die beiden Exemplare  aus dem Besitz des Papiermachers Johannes Lang stammen aus der umfangreichen Getreidesacksammlung der Heimatstube Fronstetten. Johannes Lang wurde am 15. April 1799 in Laufen an der Eyach als Sohn des Papierers Andreas Lang und seiner Ehefrau Anna Katharina, geb. Krimmel geboren. Beim Vater und in fremden Papiermühlen erlernte Johannes den Beruf des Papiermachers. Am 11. Mai 1827 heiratete Lang Maria Magdalena Werner (1808-1846), Tochter des Hopfenhändlers Jakob Werner und dessen Ehefrau Regina, geb. Storz, in Ebingen und trat neben seinem Bruder Christian als Teilhaber in die väterliche Papiermühle in Laufen ein, die u.a. die Cotta’schen Buchdruckereien in Stuttgart und Augsburg belieferte. Die klassischen, handwerklich arbeitenden Papiermühlen waren seit den 1830er Jahren vermehrt dem Konkurrenzdruck neuer Fabrikanlagen ausgesetzt, die Endlospapier produzierten. Johannes Lang beantragte 1838 bei der fürstlichen Regierung in Sigmaringen die Genehmigung zum Bau einer solchen Papierfabrik in Kaiseringen um sich selbständig zu machen. Der Betrieb nahm im Dezember 1840 die Produktion von Endlospapieren auf. Lang starb am 28. Mrz. 1881 in Kaiseringen.

 

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